Das „verbotene“ S-Wort
In der On-Demand-Version von
WWE
Raw vom 13. Juli wurde das Wort „Sh*t” kurzerhand digital retuschiert. Betroffen sind Netflix-Zuschauer in den USA und anderen internationalen
Märkten. In Deutschland läuft die Show bekanntlich live auf Bild.de, zeitversetzt auf ProSieben Maxx.
Das Ganze wirkt ziemlich dreist. Immerhin wurde das T-Shirt
von der WWE selbst entworfen und ist nach wie vor im
offiziellen Online-Shop
erhältlich. Hinzu kommt, dass das „unflätige S-Wort“ bereits mit einem
Sternchen versehen und somit selbstzensiert war.
Das reichte WWE bzw. Netflix
aber offenbar nicht aus.
Auch einige Kameraschnitte, die
Brock Lesnar – und damit auch dessen Shirt – beim Entrance sowie während Femis Promo zeigten, wurden entfernt. Die Retusche fiel gleich zu Beginn der Show auf, als Lesnar zusammen mit Paul Heyman auf Oba Femi traf. Das Wortduell war ein Vorgeschmack auf ihr
bevorstehendes Hell-in-a-Cell-Match beim
WWE SummerSlam.
Zensur bereits bei WWE Night of Champions
Bereits bei der Netflix-Wiederholung von Night of Champions
hatte WWE mehrere Änderungen vorgenommen. Ein Event, das auch hierzulande über
den Streamer verfügbar war. Dort wurde das blutüberströmte Gesicht von Bron
Breakker nach einem folgenschweren Sturz durch einen Tisch mit einem
Blur-Effekt versehen.
Zusätzlich tauschte WWE einige Kameraperspektiven aus, um
die Verletzung aus dem Bild zu halten. Außerdem ersetzte man den spontanen
„Holy Shit”-Chant des Publikums durch das deutlich harmlosere „This is
awesome!”.
Mit dieser übertriebenen Säuberungsaktion schießt sich WWE
ins eigene Knie. Keine Frage, die Zeiten der „Attitude-Ära“ sind lange vorbei.
Die Promotion möchte breite Zielgruppen ansprechen und möglichst niemanden
verärgern.
WWE macht sich lächerlich
Wenn die Selbstzensur jedoch bereits beim eigenen
Merchandise nicht haltmacht, wo soll das noch enden? Treten die Stars künftig
etwa in blanken, unbedruckten Shirts und Outfits auf? Damit im Nachhinein
genehme Slogans und Statements, die mit allen Abteilungen abgesprochen sind,
eingefügt werden können?
Und noch eine Frage bleibt: Wer trifft diese Entscheidungen?
Ist es Netflix, das auf Nummer sicher gehen will? Oder WWE selbst, das
vorauseilenden Gehorsam leistet?
Wir können nur spekulieren, was genau in den
Verträgen mit Netflix vereinbart wurde. Das Ergebnis ist jedenfalls eine Farce,
die der Glaubwürdigkeit der Promotion schadet.
Wer WWE authentisch und ungefiltert erleben will, muss
künftig live einschalten. Alle anderen bekommen eine bereinigte, mitunter
weichgespülte Version vorgesetzt. Bei der nicht einmal das eigene Merchandise „sicher“
ist. Schöne neue Welt.
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