Ging dem Angriff des WWE-Stars ein fremdenfeindlicher Kommentar voraus?
Zumindest wenn man einer alternativen Darstellung glauben schenken will, hat der Kläger die heftige Reaktion provoziert.
Wrestling-Reporter Raj Giri schreibt auf X: „Das ist, was ich über die Situation mit Ludwig Kaiser gehört habe. Er war im Apartment-Aufzug mit Andrea Bazarte (Barthels Freundin; Anm. d. Red.) und sie waren zärtlich miteinander, aber nichts Verrücktes oder Ungewöhnliches.
Reap (das Opfer; Anm. d. Red.) soll im Aufzug nichts gesagt haben, aber als er im 12. Stock ausgestiegen ist, soll er zu Kaiser etwas in der Art gesagt haben wie: ‚Du musst verdammt nochmal mehr Respekt zeigen, bevor ich ICE wegen dieser Bitch anrufe.‘
Kaiser stieg aus dem Aufzug aus und es kam zu einer kleinen Rangelei, aber angeblich wurden keine Schläge ausgeteilt.“
Viele Fans in Deutschland stehen weiterhin hinter Ludwig Kaiser
Die Darstellung mit der Aussage des Opfers im Vergleich!
Diese Darstellung entkräftet zum einen die Aussage, dass Barthel und seine Begleiterin sich unangemessen verhalten hätten. So sprach der Angreifer
(hier nachzulesen) selbst von „kontrollierter Intimität“ und „heftigen Küssen“.
Gleichzeitig wird der körperliche Angriff heruntergespielt. Gab der Ankläger zu Protokoll, dass „mehrfach auf ihn eingeschlagen, er zu Boden gestoßen“ und „weitere Gewalt angedroht“ wurde, ist hier nur von einer „kleinen Rangelei, aber keine Schläge“ die Rede.
Vor allem aber ist der Auslöser für die Aggressivität ein anderer. So gab der Ankläger gegenüber der Polizei zu Protokoll, lediglich „um ein wenig Anstand“ gebeten zu haben. Tatsächlich soll aber die oben zitierte fremdenfeindliche bzw. diskriminierende Drohung gefallen sein.
Zur Einordnung der Quelle (Raj Giri) sei erwähnt, dass es sich um den Co-Gründer der reichweitenstarken US-Wrestling-Seite „Wrestling Inc.“ handelt, die Giri vor rund vier Jahren verkaufte. Seitdem fiel Giri oftmals mit Twitter-Beiträgen auf, die vom WWE-PR-Apparat beeinflusst schienen. Gut möglich also, dass seine Schilderung auch mit der Sichtweise des WWE-Managements bzw. des Kaiser-Lagers einhergeht.
Videoaufnahmen können Klarheit schaffen
Welche Worte tatsächlich fielen, als das Opfer den Aufzug verließ und Momente später von Barthel angegangen wurde, wird man wohl kaum mehr nachvollziehen können – hier steht wahrscheinlich Aussage gegen Aussage, sollte es keine weiteren Zeugen geben.
Ein wichtiges Beweisstück wird deshalb eine Videoaufnahme sein, die den Bereich vor dem Aufzug gefilmt haben soll. Wie aggressiv Barthel tatsächlich gegen das Opfer vorging („mehrfach auf ihn eingeschlagen“ vs. „kleine Rangelei“), wird darauf vermutlich zu erkennen sein.
El Grande Americano steht am 30. Mai vor seiner bisher gewaltigsten Aufgabe
„Noche de Los Grandes“ weiterhin in der Schwebe
Für Barthel und WWE dürfte das Hauptanliegen derweil die für den 30. Mai angesetzte „Noche de Los Grandes“ bleiben. Beim großen AAA-Event in Monterrey soll der Deutsche als Real El Grande Americano auf den Original El Grande Americano (Chad Gable) treffen – Barthels größtes Match unter WWE-Vertrag bisher.
Auf dem Weg dahin ist eine für den heutigen Freitag angesetzte „Serenade for El Grande Americano“ – ein Fan-Event mit einem musikalischen Ständchen für den AAA-Fan-Liebling – in Mexiko-Stadt abgesagt worden.
Ganz einfach, weil Barthel die USA derzeit nicht verlassen kann. Ein Antrag auf eine Sonderregelung aufgrund der beruflichen Verpflichtungen des Deutschen wurde am Donnerstag gestellt. Seitdem erklärte die zuständige stellvertretende Staatsanwältin Shaylynne Kotch, keinen Einspruch zu erheben, was ein entscheidender Punkt ist. Letztlich muss aber das Gericht in Florida entscheiden.
Da Barthel nicht vorbestraft ist und der eigentliche Vorfall auch nicht zu schwerwiegend erscheint, darf man wohl optimistisch sein, dass Barthel die Ausreise nach Mexiko zum Ende der kommenden Woche gestattet wird. Alles andere wäre für den seit Wochen gehypten „Noche de Los Grandes“-Event allerdings auch eine absolute Blamage.
Darüber hinaus könnte der Vorfall Real El Grande Americano dann aber sogar dienlich sein. Denn sollte die Darstellung, dass Barthel seine Freundin vor einem MAGA-Anhänger in den USA verteidigte, bei den mexikanischen Fans Gehör finden, werden sie ihren deutschen Luchador in Zukunft nur noch mehr lieben.
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