Der schottische Superstar ist ganz oben angekommen: Der frischgebackene WWE-Champion über seinen außergewöhnlichen WrestleMania-Moment, das Geheimnis um den Titelgewinn, Ratschläge für die kürzlich Entlassenen und seine Idee für einen Hollywood-Blockbuster. (PW+)

Deine größten Karriere-Erfolge, der Sieg bei WrestleMania und deine erste Titelverteidigung bei Money in the Bank, haben sich ohne Live-Zuschauer abgespielt. Das muss sich doch weiterhin komisch anfühlen?

Ja, so langsam habe ich mich an die Umstände gewöhnt. Ich warte natürlich auf den Tag, an dem die Fans endlich wieder anwesend sein können. Die Situation sorgt immer noch für ein merkwürdiges Gefühl. Hinter den Kulissen ist schon kaum jemand da. Und wenn du dann in die Halle eintrittst, dann wartet einfach nur die Ruhe auf dich.

Was meine Matches angeht: Ich bin ja sowieso jemand, bei dem es im Ring sehr rau zur Sache geht. Jetzt muss ich die Intensität für die Zuschauer zuhause aber noch einmal hochdrehen. Was Interviews und Promos angeht, habe ich das Gefühl, dass die Performer ihre Geschichten jetzt wirklich sehr effektiv erzählen können. Das ziehe ich als positiven Aspekt aus der Situation. Wir haben hier jetzt eine gute Möglichkeit, die Persönlichkeiten zu etablieren und Storys voranzutreiben. Wenn wir zurück in die Arenen kommen, werden die Fans sämtliche Charaktere im Kader besser kennen, nicht nur die zwei Personen an der Spitze. Das ist für mich das Positive in einer ansonsten negativen Situation.

Drew McIntyre - (c) 2020 WWE. All Rights Reserved.
Drew McIntyre – (c) 2020 WWE. All Rights Reserved.

Was vor allem bei dir auffiel: Du sprichst direkt in die Kamera und richtest deine Worte an die Fans vor den Empfangsgeräten, wenn sich die Gelegenheit bietet. Ist das eine bewusste Entscheidung gewesen oder hat sich das so ergeben?

Ich habe mir die ersten Sendungen aus dem Performance Center angesehen, bei denen ich nicht anwesend war. Manche Dinge, die ich sah, gefielen mir. Andere nicht. Was mir vor allem nicht gefiel: Als die Performer im Ring standen und zu einem imaginären Publikum sprachen. Ich dachte bloß: Das ist dumm, hier entsteht keine Verbindung. Aber natürlich versuchten wir alle zu dem Zeitpunkt herauszufinden, wie mit der neuen Situation umzugehen ist. Mir war mit meiner Erfahrung gleich klar, es so nicht angehen zu wollen. Und dann sah ich Edge oder Randy Orton: Wenn sie direkt in die Kamera blickten, um einen Standpunkt klarzumachen, fühlte sich das gleich wesentlich natürlicher an.

Als ich selbst im Ring stand, um eine Promo zu halten, habe ich mir den Kameramann dazu geholt. Mit dem Blick in die Kamera fühlt es sich gleich so an, als könnte man direkt mit den Fans zuhause sprechen. Ich versuche diese Verbindung zum Publikum auch durch meine echte Person zu transportieren. Ich gebe mich so, wie ich wirklich bin. Ich habe eine Geschichte zu erzählen, bin einen harten Weg gegangen, in den sich jeder hineinversetzen kann. Aber ich suche auch die direkte Verbindung, den Augenkontakt über die Kamera.

„MIR SCHOSS MEINE VERGANGENHEIT DURCH DEN KOPF“

Auch dein WrestleMania-Moment fand ohne das Publikum statt. Die Situation ließ nichts anderes zu. Wir erinnern uns alle an die epischen WrestleMania-Momente, als die Fans die großen Siege der Superstars feiern konnten. Nach deiner harten Karriere warst du an diesem Punkt ausgekommen. Und bei dem Titelgewinn war die Atmosphäre dann doch eine ganz andere. Wie hast du das alles empfunden?

Das war überwältigend, hat sich echt angefühlt. Weil die 80.000 Fans fehlten, war plötzlich stille da, nachdem ich Brock mit meinem dritten Claymore getroffen und der Ringrichter bis drei gezählt hatte. Dann passierte kurz nichts, doch bald hatte der Ringrichter schon den WWE-Titel in Händen, dem ich bereits mein ganzes Leben, vor allem die letzten zwölf Jahre nachgejagt war. So viele Höhen und Tiefen, so viel hatte ich durchgemacht. Und endlich bekam ich den WWE-Titel überreicht. Wenn auch noch das Publikum dagewesen w…