Der wohl bekannteste Vorfall ereignete sich am späten
Sonntagabend kurz nach dem Main Event.
CM
Punk schlug einem Fan das Handy aus der Hand und musste anschließend von
einem engen Freund zurückgehalten werden.
Der Betroffene hatte versucht, eine
private Begegnung zwischen AJ Lee und Bayley zu filmen. Auch nach mehrmaligem
Auffordern ließ er davon nicht ab und verfolgte die Wrestlerinnen regelrecht.
WWE-Fans überschreiten die Grenzen
Doch das war nur die Spitze des Eisbergs. Laut
übereinstimmenden Berichten war die Sicherheitslage das gesamte Wochenende über
mangelhaft.
Den Stars wurde kaum Privatsphäre gewährt. So sollen Fans bei
verschiedenen Meet-and-Greet-Sessions versucht haben, die Talents ungefragt zu
umarmen. Was aus persönlichen wie auch aus gesundheitlichen Gründen
ausdrücklich nicht erwünscht war.
Bereits am Samstag berichtete Elayna Black (Cora Jade bei
WWE) von einem Übergriff auf der WrestleCon: Ein Besucher soll sie gegen ihren
Willen begrapscht haben. Nach einem kurzen Schockmoment konfrontierte die
TNA-Wrestlerin den Mann und filmte die Situation mit ihrem Handy.
Das Material
veröffentlichte sie anschließend in den sozialen Medien. Verbunden damit war
die Forderung nach einem dauerhaften Hausverbot für Wrestling-Veranstaltungen.
Besonders schlimm war es im MGM Grand, wo der Großteil der
WWE-Stars und -Mitarbeiter untergebracht war. Dies ist auch der Ort, an dem
sich der CM-Punk-Vorfall ereignete.
WWE-Star: „Wir waren aufgeschmissen!“
Beispielsweise musste Damian Priest eingreifen, als Fans eine Wrestlerin regelrecht bedrängten. Außerdem wurde berichtet, dass ein WWE-Ringrichter beinahe von einer vor dem Hotel versammelten Menschenmenge umgerannt worden wäre.
Gegenüber dem Portal Fightful
äußerten mehrere WWE-Superstars ihre Besorgnis über die unzureichende
Sicherheit.
„Viele Fans nutzen ihre Kinder aus, um uns dazu zu bringen,
Autogramme zu geben”, sagte ein ehemaliger WWE-Champion. „Wenn wir das nicht
tun, halten sie uns ihre Handys vor die Nase und versuchen, uns ein schlechtes
Gewissen einzureden.“
Eine Wrestlerin kommentierte: „Das ist Vegas, wir waren von
Anfang an aufgeschmissen!“ Sie prangerte an, dass WWE nicht proaktiv tätig
werde. Erst wenn etwas passiert oder die Situation eskaliert, sei das
Unternehmen bereit, Schadensbegrenzung zu betreiben oder mehr
Sicherheitspersonal aufzustellen.
Je'Von Evans und Jade Cargill melden sich zu Wort
Je'Von Evans versuchte, die Perspektive der Fans
einzunehmen. „Es ist sehr schwierig. Aber ich erinnere mich immer daran, wie
ich jünger war und mir keine WrestleMania- oder Wrestling-Tickets überhaupt
leisten konnte. Ich war schon glücklich, wenn ich einfach einen Wrestler
gesehen habe“, sagte er im
Club-520-Podcast.
„Ich versuche mich immer in diese Situation zu versetzen.
Wenn ich mit Fans sprechen kann, mache ich das meistens auch. Außer sie
übertreiben es, ich habe es eilig oder bin schlecht gelaunt.“
Jade Cargill schilderte die absurden Auswüchse der
Fan-Begegnungen. „Die Leute lassen ihre Kinder um Autogramme bitten. Die Eltern
stehen direkt daneben! Um vier Uhr morgens, direkt am Flughafen! Warum ist dein
Kind hier, es muss doch zur Schule?!“
Natürlich schätze sie die Fans sehr. „Dass Menschen
auftauchen, ihr hart verdientes Geld ausgeben und stundenlang anstehen, nur um
uns die Hand zu schütteln, bedeutet uns sehr viel.“ Am vergangenen Wochenende
sei die Situation jedoch außer Kontrolle geraten. „Sie waren überall in den
Lobbys und ähnlichen Bereichen. Wir haben Termine, Signierstunden. Wenn ihr uns
sehen wollt, kommt zu unseren Meet-and-Greets!“
Booker T: Bis auf die Toilette verfolgt!
WWE-Legende und NXT-Kommentator Booker T offenbarte in seinem
Podcast, dass er
so etwas wie am
Mania-Wochenende noch nie erlebt habe:
„Sie waren
überall, wirklich überall. Man konnte nirgendwo hingehen. Und sie haben einen
verfolgt. Sogar bis aufs WC. Ich erinnere mich daran, wie mich dort jemand
gefilmt hat. Als ich rauskam, sagte er: ‚Hey, Booker.‘ Ich bin einfach
weitergegangen, weil ich so wütend war!“
Er wunderte sich, warum im MGM Grand nicht mehr
Sicherheitskräfte zur Verfügung standen. „Ich kann mir gar nicht vorstellen,
wie sich das für die aktiven Superstars angefühlt haben muss“, sagte er. Zudem forderte er die Fans auf, den Wrestlern
in Zukunft mehr Privatsphäre und Raum zu geben.
Drew McIntyre differenziert
Eine dieser aktiven Stars ist Drew McIntyre. Der Schotte
wandte sich via X direkt an die Fans. Sowohl mit Dank als auch mit einer
deutlichen Warnung: „An die Fans, die ihr hart verdientes Geld ausgegeben
haben, um Hallo zu sagen, ein Foto zu machen, etwas signieren zu lassen oder
mir eines meiner vielen Armbänder zu schenken: Ich schätze jeden einzelnen von
euch“, schrieb er.
„Und an diejenigen, die meine Familie und mich im Hotel
bedrängt haben, ihre Kinder bis 2 Uhr morgens wach gehalten und sie vor uns
geschoben haben oder mir ohne zu fragen eine Kamera ins Gesicht gehalten haben:
Ihr habt Glück, dass ich außerhalb des Rings ein ruhiger Mensch bin. Bitte
macht das nie wieder.“
Auch WWE-Legende Sean Waltman (X-Pac) erlebte ein
Horror-Wochenende. In einem Beitrag auf X machte er deutlich, wie die Situation
eskalierte: „Es war unfassbar, wie sich diese Leute verhalten haben! Ich wurde
körperlich angegriffen, mir wurde eine Kamera ins Gesicht gedrückt, ich wurde
auf der Toilette gestalkt und mehr!
Waltman stellte klar, dass er grundsätzlich kein Problem
damit habe, wenn Fans in der Öffentlichkeit Fotos machen oder filmen. Die
Grenze sei jedoch überschritten, wenn Wrestler in ihrer Privatsphäre bedrängt
würden. Interessanterweise berichtete er, dass die Situation im Horseshoe
Hotel, in dem die WrestleCon stattfand, deutlich besser gewesen sei.
WWE in der Pflicht
Die Vorfälle rund um WrestleMania 42 werfen ernste Fragen
über die Verantwortung von WWE und TKO gegenüber ihren Mitarbeitern auf.
Schließlich haben Wrestlerinnen wie Rhea Ripley bereits in der Vergangenheit
ähnliche Probleme angesprochen.
WrestleMania ist eine wahre Goldgrube, TKO setzt dabei
Millionen um. Auch dank Rekordpreisen für Tickets, Merchandise und allem Drum
und Dran. Meet-and-Greets inklusive. Doch ausgerechnet beim Schutz der eigenen
Stars, also derer, die das große Geschäft überhaupt erst möglich machen, wird
offenbar gespart. Kein gutes Bild für WWE. Man kann nur froh sein, dass am Ende
nicht noch mehr passiert ist.
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