WWE Hall of Famer Stone Cold Steve Austin
WWE Hall of Famer Stone Cold Steve Austin

Vor bald 26 Jahren gewann Stone Cold Steve Austin das King-of-the-Ring-Turnier. Wesentlich legendärer als der eigentliche Sieg im Finale war allerdings die Promo danach. Marcus Holzer erklärt die Hintergründe. Und verrät, weshalb die Wrestling-Geschichte anschließend eine ganz neue Wendung nahm.

STARTSCHUSS ZUR ATTITUDE-ÄRA

„Meine Damen und Herren, ich präsentiere Ihnen den vierten namhaften King of the Ring: Stone Cold Steve Austin!“ Es ist der 23. Juni 1996. Mit einem klaren Sieg über Jake „The Snake“ Roberts hat Steve Austin soeben das KOTR-Turnier vor knapp 8.800 Zuschauern in der MECCA Arena in Milwaukee, Wisconsin, für sich entschieden. Doch die Krönung verläuft nicht so, wie es Zeremonienmeister Dok Hendrix erwartet hätte. Der funkelnde Mantel, das Zepter und nicht zuletzt die Krone interessieren den Sieger nämlich nicht. Stattdessen zieht er gegen den Unterlegenen richtig vom Leder: 

„Als erstes fordere ich, dass dieser Haufen Müll aus meinem Ring befördert wird! Nein, nicht nur aus dem Ring, sondern gleich aus der gesamten WWE! Denn ich habe ohne Zweifel bewiesen, dass du es nicht mehr draufhast. Du sitzt da, hältst deine Bibel in der Hand und sprichst deine Gebete. Und was hat es dir gebracht? Gar nichts! Du redest von Psalmen, du redest von John 3:16 – Austin 3:16 sagt: Ich habe dir grade den Arsch versohlt!“

VON TEXAS NACH HOLLYWOOD

Etwa ein halbes Jahr nach einem Debüt war Stone Cold Steve Austin tatsächlich in der damaligen World Wrestling Federation (später: WWE) angekommen. Der Anfang einer Erfolgsgeschichte, die ihn zum bedeutendsten Superstar seiner Generation machen sollte. Bis dahin war es jedoch ein harter Weg. Sein erstes TV-Match als Pro-Wrestler bestritt Steve Williams, der am 18. Dezember 1964 in Austin im US-Bundesstaat Texas geboren wurde, 1989 bei World Class Championship Wrestling. Bereits zwei Jahre später heuerte bei World Championship Wrestling an, der damals zweitgrößten Promotion in den USA. „Stunning“ Steve Austin, wie er fortan genannt wurde, gewann zwar schnell die Television Championship, viel anzufangen mit ihm wusste man allerdings nicht. Also steckte man ihn kurzerhand in ein Tag Team mit „Flyin‘“ Brian Pillman. 

„Ich war alles andere als begeistert und dachte, man hätte mir den Boden unter den Füßen weggezogen“, gab Austin in einem Gespräch für eine Dokumentation auf dem WWE Network zu. Doch die beiden rauften sich zusammen und übertrafen die nicht sonderlich hohen Erwartungen um ein Vielfaches. Die Hollywood Blonds entwickelten sich nicht nur zu einem der besten Tag Teams der frühen Neunzigerjahre, sondern wurden auch privat beste Freunde. 

Bis man sie nach nicht einmal einem Jahr wieder trennte. Diesmal hatte man, so schien es, für den Einzelwrestler aber sehr wohl einen Plan. So gewann er nicht nur die United States Championship, sondern durfte sich auch mit der Ringlegende Ricky Steamboat messen. Alles bestens? Mitnichten! Denn inzwischen hatte Eric Bischoff das Kommando in der WCW übernommen. Und der setzte, nach der Verpflichtung von Hulk Hogan, zu einem nicht unbeachtlichen Teil auf neue Gesichter. Die allerdings so neu gar nicht waren.  

Beim Fall Brawl am 18. September 1994 verlor Austin seinen U.S. Title darum an Altstar „Hacksaw“ Jim Duggan – nach etwas mehr als einer halben Minute Kampfzeit.  Im Jahr darauf sollte es noch schlimmer kommen. Nur kurze Zeit, nachdem er eine Knieverletzung überstanden hatte, zog sich „Stunning“ Steve eine Verletzung am Trizeps zu. Für Bischoff die Gelegenheit, den Vertrag zu kündigen. Ein kurzer Telefonanruf, und die WCW-Karriere des Texaners war beendet. 

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HEYMAN ERKENNT DIE STÄRKEN

„Ich kann heute nachvollziehen, warum man sich von mit getrennt hat. Ich war kein Zugpferd für die Promotion, es gab viele wie mich. Man hat nicht geglaubt, dass ich viel Geld bringen kann.“ So spricht Austin heute. Doch vor 21 Jahren sah dies natürlich anders aus. Steve Austin war ungemein frustriert und stinksauer. Selbst, als ECW-Boss Paul Heyman – der in der WCW anfangs als Manager Austins fungiert hatte – durchklingelte und ein Angebot unterbreitete. 

Heyman hatte die besondere Gabe, die Stärken eines Wrestlers hervorzuheben und dabei die Schwächen zu kaschieren. Darum machte es ihm auch nichts, dass Austin vorerst nicht in den Ring steigen konnte. Solange er nur regelmäßig Promos halten konnte. Heyman: „Damals gab es keine Chance, sich bei Twitter oder sonst wo im Internet zu äußern. Ich habe Steve damals eine Plattform gegeben.“ 

Das ECW-Mastermind half Steve Austin bei diesen Segmenten und zeigte ihm, wie er aus seinem damaligen Frust Kapital schlagen konnte. Dabei wandte er auch einen Trick an. Um den ehemaligen WCW-Star in die richtige Stimmung zu versetzen, ließ er ihn oft bis fünf Uhr morgens warten. Und dann wurde ordentlich über die WCW und Eric Bischoff hergezogen. Wer diese Szenen heute anschaut, wird bei „Superstar“ Steve Austin bereits jede Menge Stone Cold entdecken. Nur bei der World Wrestling Federation schien man nicht so recht aufgepasst zu haben.

Zwar wurde Austin von der WWE unter Vertrag genommen, ans Mikrofon wollte man ihn allerdings nicht lassen. „Von seinen mechanischen Fähigkeiten war ich überzeugt, von seinem Charisma eher weniger“, sollte Vince McMahon später zugeben. Und so feierte am 8. Januar 1996 der farblose Ringmaster sein Debüt, begleitet vom „Million Dollar Man“ Ted DiBiase. Man musste kein Hellseher sein, um das limitierte Potential dieses ziemlich generischen Gimmicks zu erkennen. In heutiger Zeit wäre die Geschichte an dieser Stelle vielleicht schon zu Ende gewesen. Zumindest, wenn man Cody Rhodes Glauben schenkt.

1996 gab Vince McMahon seinem Superstar allerdings die Chance, neue Vorschläge zu unterbreiten. Die Idee zu einem neuen Charakter kam Steve Austin beim Anschauen einer Dokumentation über Richard Kuklinski, einen Auftragskiller der Mafia, der aufgrund seiner Gefühlskälte auch „Iceman“ genannt wurde. Genauso wollte Austin auch sein. Natürlich kein Killer, aber eiskalt und gefühllos. 

Nur der Vollständigkeit halber seien an dieser Stelle die ursprünglichen Namensvorschläge der damaligen Kreativabteilung der Federation genannt: Otto Von Ruthless, Ice Dagger oder Fang McFrost. Um Steve Austin zu zitieren: „Arschiger ging‘s wohl nicht mehr.“ Dass am Ende nicht Fang McFrost die Ringe unsicher machte, hatte Austin – und wohl wir alle – seiner damaligen Frau Jeannie zu verdanken.

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