MJF: Nur echt mit dem Burberry-Schal / Fotos: (c) All Elite Wrestling
MJF: Nur echt mit dem Burberry-Schal / Fotos: (c) All Elite Wrestling

Im starbesetzten AEW-Kader zählt MJF zu den heißesten Acts. Ein Wrestling-Star der alten Schule, der Tradition und Moderne wie kein anderer aus seiner Generation miteinander verbindet, und dem zweifellos eine glanzvolle Zukunft bevorsteht. Wo sie ihn hinführen wird, steht jedoch in den Sternen. (Nur für Mitglieder)

Maxwell Jacob Friedman ist es egal, wen er aufs Korn nimmt. Ob Vorgesetzte, Kollegen, Fans, Kinder oder Journalisten, niemand ist vor den Beleidigungen des Catchers sicher. Nicht einmal die Verwandten seiner Wrestling-Kollegen. Man erinnere sich nur an die harschen Worte, mit denen er die Mütter von Brian Pillman jr. und Wardlow bedachte. Wer ihn zum Interview bittet, sollte darum gut vorbereitet sein und sich auf ihn einlassen. So wie der Sportjournalist Ariel Helwani, der kürzlich zum einstündigen Gespräch bat. Denn Friedman fällt niemals aus der Rolle.

„Die Fans fragen sich immer wieder, wer der echte MJF ist. Das Lustige ist: Je tiefer sie graben, desto mehr wird ihnen klar: Das, was sie sehen, IST der echte MJF“, erklärte er selbst. An Selbstvertrauen mangelt es ihm nicht. Welcher andere 26-Jährige würde von sich behaupten, besser als Roddy Piper in Portland und besser als Bret Hart in Kanada zu sein? Oder sich als „buchstäblich besten Redner im Business und als einer der besten Wrestler aller Zeiten“ zu bezeichnen? Doch Maxwell Jacob Friedman weiß ganz genau, was er tut.

Der langjährige AEW-Star MJF (Maxwell Jacob Friedman) hat für den Wrestling-Skandal des Sommers 2022 gesorgt
Maxwell Jacob Friedman wird gern gehasst / Foto: AEW

Ein moderner Wrestler der alten Schule

Wenn man so talentiert ist, so over ist und so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht wie ich, kann man sich alles leisten. Wenn ich wollte, könnte ich Tony Khan sogar die Finger abbeißen. Mir würde trotzdem nichts passieren, denn er weiß, wie viel er mir zu verdanken hat. Weiß, wie wichtig ich für ihn bin. Und wenn diese Aussage irgendjemanden in der Umkleidekabine beleidigt – und ich weiß, dass sie das tut –, ist mir das völlig egal. Weint doch!“

Wie ein Puppenspieler zieht er in allen Situationen an den richtigen Fäden, um die gewünschten Reaktionen hervorzurufen. Dies brachte ihm unter anderem den Preis „Bester Star am Mikro“ in den jüngsten PW-Jahreswahlen ein, noch vor etablierten Namen wie CM Punk, Paul Heyman und Chris Jericho.

Aktuell zählt der Catcher aus Long Island zu den absoluten Top-Performern bei All Elite Wrestling. Wohl auch, weil er sich mitunter deutlich von vielen Mitstreitern in der Promotion unterscheidet. Rasante Action zählt sein Anbeginn zu den Grundpfeilern von AEW, Wrestler wie die Young Bucks, Pac, Pentagon jr. oder Sammy Guevara begeistern die Fans mit spektakulären Sprung- und Flugeinlagen. Von diesen „Loopings, Twisty Turns und Flippity Do-Das“, wie er diese Aktionen in einem Interview bei Yahoo! Sports nannte, möchte MJF jedoch nichts wissen.

„Ich spamme nicht einfach nur Moves, wie in einem Videospiel, sondern erzeuge Emotionen. Ich lege keinen Wert darauf, dass die Menschen anschließend über Sternchenbewertungen diskutieren. Wenn es trotzdem passiert, finde ich es fantastisch. Doch es handelt sich maximal um einen Nebeneffekt. Ich bin nicht in dieses Business gekommen, um Moves zu zeigen, sondern um Geld zu verdienen.“ 

Es ist kein Zufall, dass Friedman mit seinem Auftreten in- und außerhalb des Rings an große Catcher aus der Vergangenheit erinnert. Denn: Während gleichaltrige Kinder und Jugendliche vorwiegend aktuelle Shows im US-Kabelfernsehen verfolgten, suchte der junge MJF bei YouTube gezielt nach Kämpfen und Segmenten aus der Ära von Jim Crockett Promotions oder Mid-South Wrestling.

„Es bereitete mir großen Spaß, den [Nick] Bockwinkels, den [Ric] Flairs und den Tullys [Blanchard] bei ihrer Arbeit zuzuschauen. Das Klügste an ihnen war, dass sie nicht erwischt werden wollen und damit auch ihren Körper schonten. Im heutigen Wrestling schaut es diesbezüglich ganz anders aus.“

Fast könnte man vergessen, dass der 25-Jährige erst seit rund sieben Jahren im Ring steht. Ausgebildet von Brian Myers und Pat Buck, feierte er sein Debüt im Februar 2015 in einer kleinen Independent Show in Hicksville in seinem Heimatbundesstaat New York. Von dort ging es rasch weiter zu Combat Zone Wrestling (CZW) und anschließend Major League Wrestling (MLW), ehe im Januar 2019 der Vertrag mit AEW winkte. Zu diesem Zeitpunkt soll es auch Interesse von WWE gegeben haben. Bereits einige Jahre zuvor hatte sich MJF seinerseits beim Marktführer gemeldet, doch sein Bewerbungsvideo für die Casting-Show „Tough Enough“ konnte die Verantwortlichen nicht überzeugen.

Im Gegenzug war es nun Tony Khan, der Friedman von seinem Start-up überzeugen wollte. „Ich stellte mir die Frage, ob ich bei WWE wirklich ich selbst sein konnte. Werden sie mich tun lassen, was ich am besten kann?“, verriet er im Interview mit Helwani. Nach einem langen Gespräch mit AEW-Boss Khan entschied er sich schließlich für die neue Promotion. „Ich musste sicherstellen, dass ich den perfekten Startpunkt für meine Karriere hatte.“

Heute lässt sich konstatieren: Es hätte keinen besseren Startpunkt als All Elite Wrestling für den Jungstar aus Long Island geben können. In Programmen mit Cody Rhodes, Chris Jericho, Jon Moxley, Darby Allin und zuletzt CM Punk reifte das Supertalent zum Top-Star. Ist der dreifache Gewinner des Dynamite Diamond Rings damit AEW 4 Life? Nicht unbedingt.

So sehen die Fans MJF am liebsten / Foto: (c) AEW
So sehen die Fans MJF am liebsten / Foto: AEW

Lockt WWE bald mit einem Mega-Angebot?

„Ich liebe das WWE-Programm und finde es großartig, was Vince McMahon und Bruce Prichard auf die Beine stellen. Ich liebe NXT 2.0, ich liebe Raw, ich liebe SmackDown“, schwärmte er vor wenigen Wochen. Möchte er sich damit bereits in eine bessere Position für künftige Vertragsverhandlungen bringen? Oder geht es ihm in erster Linie darum, die emotionalsten aller AEW-Fans mit solchen Aussagen vor den Kopf zu stoßen? Wahrscheinlich ein bisschen von beidem.

Fakt ist: Im Januar 2024 läuft der AEW-Vertrag von Friedman aus, und er hat bereits klargestellt, dass er derzeit kein Interesse an einer vorzeitigen Verlängerung hat. Dass WWE erneut ins Rennen um seine Dienste einsteigen wird, dürfte klar sein. Diesmal aber wohl mit einem deutlich lukrativeren Angebot als beim letzten Mal. Wenn alles glattläuft, kann er sich gemütlich zurücklehnen und dabei zuschauen, wie beide Promotions gegenseitig den Preis hochtreiben.

Mit dem zuvor erwähnten Bruce Prichard verbindet den Pinnacle-Anführer sogar eine gemeinsame Vergangenheit. Kein Nachteil, zählt Prichard inzwischen doch (wieder) zum engsten Kreis der Vertrauten von Vince McMahon. „Als einer der führenden Produzenten bei MLW schaute er bei all meinen Promos zu. Er war absolut begeistert, fast schon verliebt in mich. Ich fühlte mich wie das schönste Mädchen auf dem Ball“, offenbarte er. „Wir führten damals viele Unterhaltungen. Ich liebe Bruce und halte ihn für einen prima Kerl mit tollem Verstand. Meiner Ansicht nach produziert er hervorragendes Fernsehen.“

Auch mit Paul Heyman gab es bereits Kontakt. Zwar nicht persönlich, aber zumindest via Textnachrichten. „Wir sind beide große Fans voneinander“, gab Friedman zu. Alles andere hätte aber auch sehr verwundert. Muss man sich bei AEW nun Sorgen machen? Nein, nicht unbedingt. Tony Khan verfügt zweifellos über genügend Möglichkeiten, um auf ein Angebot aus Connecticut entsprechend zu reagieren. Zudem hat MJF auch seinen derzeitigen Boss ganz offen als Genie bezeichnet. Was für ein Geschäftsmann! „Ich werde am Ende dort landen, wo es das meiste Geld für mich zu holen gibt. Aktuell habe ich bereits einen Favoriten, doch nähere Details möchte ich nicht verraten. Aber ja, es gibt bereits eine klare Tendenz.“

Bis es jedoch so weit ist, wird noch viel Wasser die Donau hinabfließen. Oder, um es in den Worten von MJFs Kollege Sting zu sagen: „Nothing’s for sure.“ Sicher ist jedoch: Sollte Friedmans in den kommenden Monaten verletzungsfrei bleiben, wird der kometenhafte Aufstieg weitergehen. Und dann wird er bereits in jungen Jahren etwas erreichen, was seinem Vorbild „Rowdy“ Roddy Piper stets verwehrt blieb, nämlich der Gewinn einer anerkannten Wrestling-Weltmeisterschaft. Garantiert.


MJFs Entertainment-Aussichten

Maxwell Jacob Friedman möchte nicht nur zu den Bestverdienern im Sports-Entertainment zählen, sondern auch Hollywood erobern. 

Bereits im Alter von fünf Jahren trat er bei Rosie O’Donnell auf, um „You Are My Sunshine“ zu singen. Übrigens in der gleichen Episode wie Britney Spears. Zwar war ihm bereits damals schon klar, dass er ein großer Wrestler werden wollte, doch warum nicht das Beste aus zwei Welten vereinen?

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Ich habe meine Fühler in verschiedene Richtungen ausgestreckt, auch außerhalb der Wrestling-Blase“, verriet er vor ein paar Monaten. „Einige dieser Dinge werden euch ziemlich überraschen.“ 

Dazu zählt auch die Synchronarbeit in einem Animationsfilm, der im kommenden Jahr erscheinen soll. Es wird gewiss nicht der letzte Film mit seiner Beteiligung bleiben. 

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