WWE Hall of Famer
WWE Hall of Famer "Rowdy" Roddy Piper / Foto: Power-Wrestling

Heute (SA, 23.7.) um 20:15 Uhr gibt es wieder „WWE Legends“ auf ProSieben MAXX. Die Wrestling-Doku dreht sich um einen der charismatischsten Superstars aller Zeiten: „Rowdy“ Roddy Piper. Wir erinnern an „Hot Rod“ im Karriere-Rückblick.

Fast auf den Tag genau sieben Jahre ist es her, als eine der charismatischsten Wrestling-Größen aus dem Leben gerissen worden. Am 31. Juli 2015 kam mit 61 Jahren sein Tod viel zu früh – wenn man in normalen Menschenjahren rechnet. Doch „Rowdy“ Roddy Piper wollte niemals ein „normaler Mensch“ sein. Piper war ein Wrestler, der das wilde Leben eines Rockstars führte. Einer, der in jeder Minute seine Reise genoss und der jeden Moment auskostete. Soweit, dass er in Interviews vor über 10 Jahren bereits prognostizierte: „Bis zu meinem 65. Lebensjahr werde ich es nicht schaffen!“ Doch was machte den gebürtigen Kanadier, der Zeit seines Lebens im Wrestling als verrückter Schotte auftrat, so außergewöhnlich?

Ohne Frage: Piper entstammt einer Generation von Wrestlern, die es in dieser Form heute nicht mehr gibt. Wo heute besonders durchtrainierte Sportler nach der nächstbesten „Performance“ streben, war der gebürtige Roderick Toombs alles andere als ein Vorzeigeathlet. Vielmehr war er ein einfacher Typ aus zerrütteten Familienverhältnissen, der bereits in seiner Jugend das Wrestling für sich entdeckte – und das Wrestling als Ausweg nutzte, in dieser Form des reisenden Schaustellerlebens seiner problematischen Kindheit zu entkommen.

Der 15-jährige Piper, der zuvor vornehmlich Boxen trainiert hatte, machte den Schritt ins Pro-Wrestling auf die harte Tour – und lernte in einem ersten Match gegen Larry Hennig, dem Vater des späteren „Mr. Perfect“ Curt Hennig, was es bedeutet, in einem im Kern „gestellten Sportwettbewerb“ eine gehörige Abreibung zu kassieren.

Der unberechenbare Schotte entwickelte sich ab Mitte der siebziger Jahre in vielen Wrestling-Territorien, besonders an der Westküste oder auch in Georgia und Jim Crocketts Mid-Atlantic, zu einem gerne eingesetzten Regelbrecher. Piper war immer eins: unberechenbar und eine ganz große Nummer am Mikrofon. Er machte den „Trash Talk“ salonfähig. „Rowdy“ Roddy konnte Konflikte verkaufen und echt wirken lassen. Das Publikum wusste nie, woran es bei ihm ist – sie liebten es, Piper zu hassen.

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DIE SCHLÜSSELROLLE BEI DER  ERSTEN WRESTLEMANIA

Bis heute rankt sich so manche Erzählung um den Erfolg der ersten WrestleMania im Frühjahr 1985. Kurz zusammengefasst: Promoter Vince McMahon setzte alles auf eine Karte, um mit dieser Veranstaltung den Durchbruch seiner neuorganisierten World Wrestling Federation zu schaffen – oder womöglich als Promoter für alle Zeiten eine Bruchlandung hinzulegen. Bis heute heißt es: Neben McMahon war das aufgebaute Aushängeschild Hulk Hogan mit für den Erfolg verantwortlich, der sich am 31. März 1985 in New York auch tatsächlich einstellen sollte.

Dabei war es bei weitem nicht Hogan allein, dem der Löwenanteil für Ruhm und Anerkennung zugeschoben werden konnte. Schlüsselfiguren waren neben der entscheidenden Einbindung prominenter Persönlichkeiten (Actionstar Mr. T sowie Musikerin Cyndi Lauper), auch die Gegenspieler der Publikumslieblinge, die für so viel Hype im Vorfeld sorgten: „Cowboy“ Bob Orton, Paul Orndorff und eben ganz besonders „Rowdy“ Roddy Piper.

Weitere legendäre WWE-WrestleMania-Momente folgten über die Jahre. Der kontroverse Boxkampf gegen Mr. T bei WrestleMania II, das Rasieren von Adrian Adonis’ Schädel bei WrestleMania III, sein aus heutiger Sicht politisch eher unkorrekter Auftritt als halbschwarz-bemalter Piper bei WrestleMania VI oder auch das denkwürdige Match gegen Bret Hart bei WrestleMania VIII, als der „Hot Rod“ die Intercontinental Championship an den „Hitman“ weitergab.

Für Bret bis heute ein Schlüsselmoment in seiner Karriere, wie er in einem Statement zum Tod seines Wegbegleiters klarstellte: „Roddy war mein engster Freund im Business. Ein Mann, der mich gefördert und in meiner Laufbahn geleitet hat. Ich bin mir sogar sicher: Hätte Roddy Piper mir nicht seine Hilfe angeboten, wäre ich nur eine Randnotiz im Wrestling geblieben. Er war immer für mich da. Er war wie ein Familienteil für mich. Ein Bruder, der mich liebte und der mich auch durch meine dunkelsten Tage begleitete. Er war der einzige Wrestler, der mich 2002 besuchte, als ich meinen Schlaganfall erlitt. Bei WrestleMania VIII hat er in unserem klassischen Match mich so gut aussehen lassen. Er gab die Fackel weiter, was in dieser Ära den meisten gar nicht in den Sinn gekommen wäre. Wir bezeichneten uns immer als ‚Cousins‘, da wir uns so nahe standen.“

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UNZÄHLIGE MOMENTE, DIE DAS WRESTLING PRÄGTEN

Über seine WrestleMania-Momente hinaus gab es natürlich noch so viel mehr. Sei es die historische Attacke auf „Superfly“ Jimmy Snuka mit einer Kokosnuss in seinem Interview-Segment, dem „Piper’s Pit“. Sein Dudelsack-Konzert vor über 80.000 WWE-Fans im Wembley-Stadion im Sommer 1992. Seine WCW-Karriere, die viele deutsche Fans in den späten Neunzigern über das DSF miterlebten. Oder, zuletzt, sein Auftritt in der Reality-Serie „WWE Legends House“: Hier kämpfte Piper mit den Tücken der Technik und geriet als „einsamer Wolf“ in Konflikte mit seinen Mitbewohnern. Wo die Grenzen zwischen Piper als Performaner und Privatperson anfingen und endeten, war bis zuletzt nie wirklich zu durchschauen. Man kam zu der Ansicht: Der oftmals positive, manchmal aber auch negative Wahnsinn des Wrestling-Charakters hatte die Person hinter „Rowdy“ Roddy Piper bereits gänzlich eingenommen.

Piper war ein potentieller Weltmeister, der nie die World Championship hielt. Zufälligerweise gibt es gerade in dieser Ausgabe genau zu dem Thema eine Geschichte, in der wir auf den Sachverhalt näher eingehen. Auch fertigten wir für diese Ausgabe eine kleine Geschichte über den jüngsten Wahnsinn um Roddy Piper und Steve Austin an. Grundsätzlich eine Story, die nach dem plötzlichen Ableben Pipers sehr trivial erscheint. Wir haben sie aber dennoch in der Ausgabe belassen, denn auch diese Geschichte bleibt ein gutes Beispiel dafür, wie undurchschaubar sich Piper bis zuletzt in seinem Leben gab.

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Wo es für Roddy übrigens nie zur WWE Championship reichte, holte er sich beim Marktführer neben der Intercontinental Championship auch noch den Tag-Team-Titel. Und das auf seine alten Tage: für nur gut eine Woche im Herbst 2006 an der Seite seines guten Freundes Ric Flair. Der „Hot Rod“ und der „Nature Boy“ – zwei Männer, die auf ihren gemeinsamen Reisen übrigens Dinge erlebten, mit denen sicher ganze Bücher gefüllt werden könnten. Denn Piper, der dank seiner Hauptrolle im Science-Fiction-Film „Sie leben“ (1988; von Kult-Regisseur John Carpenter) auch in den Mainstream vordringen konnte, nutzte jeden Tag aus so gut er konnte.

Dass der WWE Hall of Famer (2005) nach so manchen Drogen- und Alkoholerlebnissen nicht an das ganz lange Leben glaubte, stellte er mit seiner eigenen Prognose klar, sicher nicht älter als 65 zu werden. Und er sollte leider Recht behalten.

Der 61-jährige Roderick Toombs hinterließ bei seinem Tod neben seiner Ehefrau, drei Töchter, einen Sohn sowie eine Enkeltochter – und zudem ein Wrestling-Vermächtnis, das selbst in 100 Jahren niemals seinen unglaublichen Unterhaltungswert und diesen einzigartigen Charme verlieren wird.

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