WWE und AEW verschönern das Wrestling mit den Einzugsmusiken: Jungle Boy begleitet ein 80er-Disco-Song
WWE und AEW verschönern das Wrestling mit den Einzugsmusiken: Jungle Boy begleitet ein 80er-Disco-Song

In „Hot Tag“, der Kolumne von Marcus Holzer, geht es heute um Wrestling-Einzugsmusiken der WWE- und AEW-Superstars. Marcus verrät, warum er sich über die neuen AEW-Themes von Jungle Boy und Co. richtig freut. (Nur für Mitglieder)

Falls ihr regelmäßig bei AEW Dynamite einschaltet – und das würde ich jeder Leserin und jedem Leser derzeit wärmstens ans Herz legen –, ist es euch bestimmt schon aufgefallen: Der ein oder andere Publikumsliebling betritt die Halle neuerdings zu recht bekannten Klängen. Tony Khan hat in die Tasche gegriffen und Wrestlern wie Jon Moxley mit „Wild Thing“ in der Version der Punkband „X“, Orange Cassidy „Where Is My Mind“ von den Pixies und nicht zuletzt dem Jungle Boy neue Musiken gegönnt. 

Nun wird sich vielleicht der ein oder andere Leser am Kopf kratzen und fragen: „Na und? Ist das wirklich eine eigene Kolumne wert?“ Ich sage dazu: Ja, absolut! Denn: Die Wirkung einer passenden Entrance Theme im Wrestling sollte man auf gar keinen Fall unterschätzen. Nicht umsonst sagte der Komponist Richard Wagner einst „Die Musik ist die Sprache der Leidenschaft“. 

Eine Weisheit, die sich auch im Sports-Entertainment wunderbar widerspiegelt. Die richtige Entrance Theme kann die Zuschauer bereits vor dem ersten Ertönen der Ringglocke in die richtige Stimmung und die Halle förmlich zum Kochen bringen. Ganz besonders trifft dies auf Musikstücke zu, die sich bestens beim Publikum in den Köpfen verankert haben, weil man sie bereits aus dem Radio, aus dem Fernsehen oder von YouTube kennt.

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THEMES GEHÖREN ZUM WRESTLING DAZU

Einzugsmusiken sind zwar nicht so alt wie das Pro-Wrestling selbst, aber seit rund vier Dekaden ein ganz wichtiger Bestandteil der Show. Wer der erste Wrestler war, der Musik bei seinem Einzug in die Arena verwendete? Darüber lässt sich heute trefflich streiten. Tatsächlich kann man bis in die Fünfzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts zurückgehen, als der schillernde Georgeous George zu den Klängen von „Pomp and Circumstance“ Sir Edward Elgar seinen farbenfrohen Mantel ablegte. Ja, es handelte sich dabei um dasselbe Musikstück, das später den „Macho Man“ Randy Savage in den Achtziger- und Neunzigerjahren begleiten sollte.

Überhaupt waren die Achtzigerjahre in Bezug auf Musik und Wrestling eine einschneidende Zeit. Die Fabulous Freebirds rund um Michael „P.S.“ Hayes, Buddy „Jack“ Roberts und Terry Gordy bastelten ihr ganzes Gimmick rund um den Song „Freebird“ von Lynyrd Skynyrd – und waren zweifellos einer der ersten Acts, der die Verbindung von Catchen und Musik richtig zelebrierten und auch populär machte.

Ihre größten Erfolge feierten die Freebirds damals bei World Class Championship Wrestling im Dallas-Territorium. Produktionstechnisch war WCCW seiner Zeit weit voraus. Dazu zählte auch die Nutzung populärer Musikstücke, wie etwa „Call Me“ von Blondie für Kerry Von Erich, „We Are The Champions“ von Queen für Chris Adams, um nur zwei Beispiele zu nennen. Keine Frage, die beliebten Rock-Songs trugen zweifellos ihren Teil dazu bei, dass World Class in der ersten Hälfte der Achtzigerjahre vor allem bei einem jungen, oftmals weiblichen Publikum ungemein populär war.

Wenn man über lizenzierte Musiken und Wrestling spricht (oder schreibt), kommt nicht umher, die Buchstaben ECW zu erwähnen. Wobei lizenziert hierbei wohl der falsche Begriff ist. Denn Paul Heyman nutzte zwar durchgängig bekannte Songs in seiner Promotion, Lizenzgebühren wurden dafür aber eher nicht abgedrückt.

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Heute nur noch schwer vorstellbar, damals aber zumindest für einige Jahre einfach so möglich, da sich die Promotion unter dem Radar der größten Musikverlage und Rechteinhaber bewegte. Aus diesem Grund mussten auch all die legendären Themes, wie „Enter Sandman“ von Metallica, „Perfect Stranger“ von Deep Purple und nicht zuletzt „Natural Born Killaz“ von Dr. Dre und Ice Cube, in den ECW-Shows auf dem WWE Network inzwischen ersetzt werden. Und, ganz ehrlich: Ein Sandman-Einzug ohne Metallica ist leider nicht einmal die Hälfte wert.

Bei WWE ging man bereits in den Achtzigern einen eigenen Weg und setzte vornehmlich auf eigene Musikstücke. Auf diese Art und Weise ersparte man sich teure Lizenzgebühren und konnte die Songs auch selbst vermarkten. Ausnahmen bestätigten hierbei die Regel. So wurde etwa „Real American“ von Rick Derringer produziert und eingesungen. Für Triple H engagierte man viele Jahre später sogar dessen Lieblingsband Motörhead, CM Punk bekam im Sommer 2005 auf eigenen Wunsch das Lied „Cult of Personality“ von Living Color lizenziert. 

Heutzutage finde ich einen Großteil der WWE-Themes aber sehr generisch, um ehrlich zu sein. Das bedeutet nicht, dass alles schlecht ist. So gefällt mit etwa die Fiend-Einzugsmusik wirklich gut, sie ist auch sehr passend. Doch seit der langjährige Hauskomponist Jim Johnston und (mit Abstrichen) dessen Nachfolger CFO$ nicht mehr für WWE tätig sind, fehlt mir in vielen Fällen die Vielfalt, aber auch die Eingängigkeit. Vielleicht auch ein Grund, warum die Fans in den Hallen nicht mehr so abgehen wie einst, als die zerbrochene Glasscheibe den Auftritt von Stone Cold Steve Austin oder ein lautes „If you smeeeeeeeeeeeeell …“ The Rock ankündigten.

WCW HAT GETRICKST

Kreativ zeigte man sich in den Neunzigern bei der Konkurrenz in Atlanta. Chris Jerichos zweite WCW-Theme klang verdächtig nach „Evenflow“ von Pearl Jam, die Einzugsmusik von DDP hatte mehr als nur Anleihen bei „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana genommen. Diese Liste ließe sich noch sehr lange weiterführen: Rick Steiner mit „Welcome To The Jungle“ von Guns N Roses, Raven mit „Come As You Are“ von Nirvana und sogar Jerry Flynn mit „Piece of Mind“ von Boston? Gar kein Problem!

Denn: Die Musiken erinnerten zwar an die berühmten Vorbilder, wurden aber leicht verändert, sodass man gänzlich ohne Lizenzen auskam. Raffiniert, oder? Leider ist auch ein großer Teil dieser Musiken heute auf dem WWE Network verschwunden. Ausnahmen bildeten für kurze Zeit „Crush Em“ von Megadeth (Goldberg),  „Searching, Seek and Destroy“ von Metallica (Sting) und „God of Thunder“ von KISS (Demon). Wenn ihr mich fragt, hatten aber gerade die Fake-Themes irgendwie einen besonderen Charme.

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Bei AEW sehe ich diese Gefahr des Verschwindens übrigens nicht, selbst wenn irgendwann der eigene Streaming-Dienst vor der Türe steht. Die Zeiten haben sich geändert und ich bin überzeugt, dass Tony Khan bzw. seine Rechtsabteilung im Vorfeld die richtigen Maßnahmen trafen. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass man zumindest bisher bei den lizenzierten Musikstücken auf aktuelle Hits verzichtet wurde. Statt Nicki Minaj oder Billie Eilish bediente sich All Elite Wrestler lieber bei knackigen Songs aus den vergangenen Dekaden. 

Dafür lässt sich bei „Tarzan Boy“ von Baltimora aber auch ganz wunderbar mitgrölen. Und genau das ist auch Sinn der Sache. Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Musik dem aufstrebenden Catcher noch sehr viel Freude bescheren wird. Vorbild für Jungle Boy könnte Chris Jericho sein, dessen Theme „Judas“ (von der eigenen Band Fozzy) auch nach zwei Jahren noch herzhaft vom Publikum mitgesungen wird. Meiner Meinung nach ist es einfach klasse, dass man bei AEW ein bisschen in die Tasche griff und sich lizenzierte Musik leistet. Das Produkt wirkt dadurch für mich einfach authentischer und auch irgendwie cooler. Nutznießer werden die Wrestler sein, davon bin ich überzeugt. Bitte mehr davon!

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