Big Van Vader kommt in die WWE Hall of Fame
Big Van Vader kommt in die WWE Hall of Fame

WWE nimmt am 1. April neben dem Undertaker auch (Big Van) Vader in ihre Hall of Fame auf. Bald vier Jahre nach dem Tod von Leon White. Wir blicken auf den Wrestling-Hünen zurück.

(WWE-Mitteilung:) Der aus den Rocky Mountains stammende, 450 Pfund schwere Vader sorgte zunächst in den Ringen Japans für Furore, wo er den WWE Hall of Famer Antonio Inoki in einem äußerst umstrittenen Kampf praktisch vernichtete. Die japanischen Fans waren so verzweifelt darüber, dass ihr Held von dem gigantischen Vader demontiert wurde, dass in der Sumo-Halle von Tokio ein Aufstand ausbrach. Dieser Aufruhr heizte Vaders Aggression nur noch weiter an, und eine ganze Reihe von Kämpfern fiel seinen verheerenden Manövern zum Opfer – insbesondere Vadersault.

Der Mastodon setzte seine Dominanz in Japan fort und stampfte schließlich seinen Weg durch Konkurrenten in ganz Europa und Mexiko. Dieser Weg brachte den Giganten in den frühen 90er Jahren zu World Championship Wrestling, wo er schließlich zu einem der größten Stars werden sollte. Mit dem WWE Hall of Famer Harley Race an seiner Seite schlug Vader WCW-Legenden wie Sting, Ric Flair und Cactus Jack und gewann während seiner Zeit bei WCW drei World Heavyweight Championships.

1996 wechselte das Kraftpaket zur WWE, wo er im Royal Rumble Match des Jahres debütierte. Unmittelbar danach tat sich Vader mit seinem Manager Jim Cornette zusammen und kämpfte beim SummerSlam desselben Jahres gegen Shawn Michaels um die WWE Championship. Der Mastodon tat sich dann mit Paul Bearer zusammen und kämpfte gegen den Undertaker, wobei er beim Royal Rumble 1997 einen großen Sieg über The Deadman errang.

Die WWE Hall of Fame-Zeremonie findet am Freitag, den 1. April, im American Airlines Center in Dallas als Teil der WrestleMania-Woche statt. Die Veranstaltung wird in den USA exklusiv auf Peacock und überall sonst auf dem WWE Network live übertragen.

WrestleMania 38, die beeindruckendste WrestleMania mit zwei Abenden in der Geschichte, findet am Samstag, 2. April, und Sonntag, 3. April, live im AT&T Stadium in Dallas statt.

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PERSÖNLICHER RÜCKBLICK AUF VADER

(Erschienen in Power-Wrestling August 2018 anlässlich seines Todes):

Und wieder ist eine der großen Wrestlinglegenden von uns gegangen: Leon White, den meisten besser bekannt als Vader oder Big Van Vader ist am 18. Juni an den Folgen einer schweren Lungenentzündung gestorben. Er wurde nur 63 Jahre alt. Vaders Gesundheit war seit Jahren geschwächt. Ihn plagten massive Herzprobleme. Im Frühjahr war er am offenen Herzen operiert worden, weshalb ihm die Lungenentzündung nun deutlich härter zusetzte als einem ansonsten gesunden Menschen. Vaders Sohn schrieb auf Twitter, sein Vater habe bis zum Schluss hart gekämpft. 

SEINE KARRIERE-STATIONEN

Und das glaubt man gern, wenn man den wilden Vader zu seinen besten Zeiten im Wrestling erlebt hat. Der frühere Footballer (Ende der Siebziger spielte er für die Los Angeles Rams) wurde Mitte der Achtziger in einem Gym für das Wrestling entdeckt. Seinen Siegeszug begann er bei der American Wrestling Association. Frühzeitig wurde er allerdings von „Big“ Otto Wanz und seinem Team entdeckt: Die Catch Wrestling Association holte White als „Bull Power“ nach Österreich und Deutschland. Er wurde zu einem der effektivsten Gegenspieler für den ultrabeliebten „Big“ Otto. Als die Giganten in Graz oder Bremen aufeinanderprallten, hielt es keinen Zuschauer mehr auf den Sitzen. 

Die Legende um Vader sollte in den Folgejahren aber auch mit seiner imposanten Maske entstehen. Wenn Vader das Ungetüm auf den Schultern trug und dabei Nebel versprühte, schauderte es gerade den Fans in Japan, wo das Gimmick überhaupt erst kreiert worden war. Von den späten Achtzigern bis in die frühen Neunziger war Vader überall gefragt. Er bestritt große Kämpfe auf verschiedenen Kontinenten – und hielt Gürtel in Europa, Mexiko, Japan und den USA. Teilweise gleichzeitig. 

Später, als die WCW-Matches auch schon im deutschen Fernsehen übertrugen wurden, durften sich die DSF-Zuschauer ein Bild von Big Van Vader machen. Seine größten WCW-Rivalen: Ron Simmons, Sting und „Nature Boy“ Ric Flair. Flairs Jagd auf seinen dritten WCW-Titel, bei Starrcade 1993, gegen Vader bleibt eines der emotionalsten Matches dieser Zeit: Flair hatte nämlich vor den Augen der Heim-Fans in Charlotte seine Karriere gegen den Hünen aufs Spiel gesetzt. Später wurde Vader in der WCW auch noch zum Rivalen von Hulk Hogan, auch diese Dynamik funktionierte gut. 

Wrestling-Legende Big Van Vader
Wrestling-Legende Big Van Vader

In der damaligen World Wrestling Federation spielte Vader zwischen 1996 und 1997 eine Rolle in der Midcard. Die Aura aus WCW- oder Japan-Tagen umgab ihn hier nicht mehr so ganz, doch in der WWE häuften sich einige wirklich sehenswerte Matches. Vieles von seiner Arbeit in der WCW und WWE ist mittlerweile übrigens in einer Collection auf dem WWE Network zusammengetragen worden. Jüngere Fans, die Vader nie erlebten, sollten mal einen Blick hineinwerfen. Gerade auch die bereits erwähnten Duelle mit Sting oder Ric Flair. 

Seine großen Tage in Japan erlebte Vader Anfang der Neunziger mit New Japan Pro-Wrestling. Zur Jahrtausendwende, nach dem WWE-Aufenthalt, holte All Japan Pro-Wrestling ihn zurück. Von da nahm Vaders Relevanz im Wrestling mehr und mehr ab. Er tauchte über die Jahre immer wieder auf (auch mal zu einem Gastauftritt bei der WWE) und bestritt regelmäßig Matches, doch die wichtigen Vader-Jahre, die 1985 begonnen hatten, endeten zur Jahrtausendwende. 

Was Vader sich wünschte, ihm aber bis zu seinem Tod verwehrt blieb: die Aufnahme in die WWE Hall of Fame. Einige Male hatte der davon gesprochen, auch bezugnehmend auf seinen schlechter werdenden Gesundheitszustand. 2016 stand er dann auf der Hall-of-Fame-Bühne. Allerdings nur als Laudator für Stan Hansen. Hier konnte Vader aber auch aus seiner eigenen Zeit berichten, etwa als ihm Hansen in Japan kurzerhand ein Auge ausschlug. Man merkte Leon White an, dass er sich nach einem eigenen (verdienten) Moment im Rampenlicht sehnte.

DER ERSTE US-STAR, DEN ICH LIVE SAH

Vader, oder wie er bei der CWA antrat: Bull Power, war der erste US-Wrestlingsuperstar, den ich live erlebte. Das war im Juni 1990 bei der CWA in Graz beim Schwergewichtstitelkampf gegen Otto Wanz (ich hatte zwar Owen Hart schon eher kennengelernt, aber da war er noch kein Superstar). In einem hervorragenden Kampf verteidigte Big Otto seinen Titel gegen seinen Herausforderer (nach dem Kampf lebte Otto seinen Titel nieder). Ich wechselte aber gerade mal ein paar Worte mit ihm, die über „Guten Tag“, „Hallo“ und der gleichen nicht hinaus gingen. Leon White begeisterte nicht nur im Ring durch seine Urgewalt, sondern war auch als Privatperson eine sehr charismatische Persönlichkeit, die jeden beeindruckte. Und seine Kämpfe gegen Big Otto Wanz wird niemand vergessen, der damals dabei war, so episch waren sie. Leon war damals öfter bei der CWA und fehdete nach Otto mit Rambo.

Näher kennenlernen sollte ich Vader erst paar Jahre später bei einer WWE-Show in Deutschland. Owen wollte mich ihm vorstellen, doch Vader reagierte harsch, drehte sich einfach um und meinte: „Wer dauernd auf die WWE einhackt und uns niedermacht, dem gebe ich nicht die Hand.“ Owen und ich schauten uns nur dumm an und er meinte, er kläre das.

MENSCHLICHE GRÖSSE

Gesagt, getan. Abends in der Hotelbar kam Vader auf mich zu und sprach mich an. Ich stand vorsichtshalber mal auf, um nicht arrogant zu wirken, wenn ich im Ledersessel sitzen geblieben wäre. Ich befürchtete eine lautstarke Abrechnung, obwohl ich mir keiner Schuld bewusst war. Doch statt dessen nahm mich Vader in den Arm und meinte nur „I’m sorry“ und das war es. 

Wie sich herausstellte, hatte einer der deutschen WWE-Angestellten ziemlichen Mist über mich verbreitet (nicht nur bei Vader, sondern auch etwa bei Bam Bam Bigelow und anderen). Ihm hatte schlicht und einfach missfallen, dass Power-Wrestling trotz offener Berichterstattung sehr viel Ansehen bei den WWE-Wrestlern genoss und wollte das verhindern. Doch Owen erzählte Vader, wie es wirklich aussah und dass wir zwar durchaus Kayfabe brachen, aber die Ausrichtung stets konstruktiv loyal zur WWE war und im Heft niemals über Privatsachen berichtet wurde (und auch heute noch wird), die wir über unsere Kontakte erfahren oder miterleben. 

Warum ich das so ausführlich berichte? Ganz einfach: Es zeigt sehr gut auf, was Vader für ein menschlich großer Mann war. Er, der Superstar, war sich nicht zu schade, zum kleinen Wrestlingjournalisten Wolfgang Stach zu kommen und sich zu entschuldigen. Und was mir besonders gut gefiel: Derjenige, der mich angeschwärzt hatte, saß ebenfalls in der Bar und schaute ziemlich doof aus der Wäsche – was sowohl Vader als auch mich zum Lachen brachte.

Zwei drei Shows später unterhielten wir uns in einer Hotelbar, als ich hörte, wie Dave Hebner nicht gerade glücklich darüber war. Als sich Leon dann am letzten Tag im Flughafenhotel wieder neben mich setzte, sagte ich ihm, dass Dave, der ja nicht nur Referee, sondern auch Offizieller war, das nicht so toll finden würde. Leon antwortete nur: „Ich bin alt genug, um selbst zu entscheiden, mit wem ich mich unterhalte und mit wem nicht.“ (Auch die Sache mit Dave klärte sich später bei einem PPV in den USA als Missverständnis auf und hatten wir anschließend ebenfalls ein hervorragendes Verhältnis.)

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DER KONTAKT HIELT ÜBER JAHRE AN

Das Schöne war: Das Verhältnis zwischen Leon und mir bzw. Power-Wrestling ganz allgemein, blieb über die Jahre konstant gut, auch als er schon lange nicht mehr bei der WWE war. Die Gespräche und Treffen mit ihm waren immer sehr interessant, auch wenn er durchaus einige Macken hatte, die aber das Gesamtbild nicht schmälerten. Es gibt wohl niemanden, der frei von irgendwelchen Macken ist – und so war es auch bei Vader. 

Eines ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Vader trat in England für eine Independent-Liga an und sollte dann auch nach Deutschland zur wXw kommen. Er musste aber wegen schweren Durchfalls absagen. Aber dennoch machten hier sofort Gerüchte die Runde, er hätte einfach keine Lust gehabt und deswegen eine No-Show hingelegt, ähnlich wie im April Scott Hall bei der COW. Dieses machte schnell die Runde und auch Vader erfuhr es nach wenigen Tagen. Daraufhin sandte er mir ein E-Mail zu und meinte, wann wir denn mal miteinander telefonieren könnten. Ich antwortete ihm direkt und wir telefonierten noch am selben Tag. 

Big Van Vader unter Kollegen
Big Van Vader unter Kollegen

Man konnte ihm anhören, dass er sehr aufgewühlt war. Er gab mir sein Ehrenwort, dass an den No-Show-Gerüchten nichts dran sei und erklärte mir minutiös, was vorgefallen war. Dass es ihm damals sehr schlecht ging und er andauernd auf Toilette rennen musste. Montezumas Rache hatte ihn so sehr im Griff, dass selbst der Flug nach Deutschland (inkl. Anreise zum Flughafen) zu lang gewesen wäre, Auch wollte er nach Möglichkeit zum Rückflug in die USA wieder fit sein, da eine Ticket-Änderung aufgrund des Sparpreises, zu dem er flog, um die Kosten für die Promotions nicht exorbitant nach oben schießen zu lassen, zu Gebühren in vierstelliger Größenordnung geführt hätte. Leon nannte mir sogar die Namen der Ärzte, die ihn in England untersucht hätten und die Namen der Medikamente, die ihm verschrieben worden waren. 

Wir versicherten ihm, dass wir das als Interview ins Heft nehmen und die Sache klarstellen würden – was wir dann natürlich auch machten. Leon gehörte zu den absoluten Old school-Leuten, für die ein Wort ein Wort war und der sich stets an Verträge hielt. Deswegen war es ihm auch so wichtig, die Sache klarzustellen.

Danach brach der Kontakt zwar nicht ab, schlief aber mehr und mehr ein. Nicht zuletzt auch aufgrund des gesundheitlichen Probleme Leons. Dennoch traf mich die Nachricht seines Todes wie ein Schock. 63 Jahre ist ja heute eigentlich kein großes Alter mehr. Und da ich dieses Jahr ja selbst 60 Jahre alt werde, wird man nachdenklich. Das ist im übrigen auch ein großer Nachteil des Älterwerdens: Mehr und mehr Weggefährten verlassen einen nach und nach. Wollen wir hoffen, dass man sich auf der anderen Seite wiedersieht, so wie hoffentlich Big Otto jetzt seinen alten Kampfgefährten Big Van Vader.


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30 Jahre im Wrestling - PW-Herausgeber Wolfgang Stach hat seine Erinnerungen aus WWE und WCW aufgeschrieben
30 Jahre im Wrestling – PW-Herausgeber Wolfgang Stach hat seine Erinnerungen aus WWE und WCW aufgeschrieben

VADERS FÜNF GROSSE WELTMEISTERSCHAFTEN

(1) CWA WORLD CHAMPION

Sieg über „Big“ Otto Wanz am 22. März 1987 in Denver. Der Titel wechselte zwischen beiden Männern Hin und Her. Nach Ottos Abschied gab „Bull Power“ den Gürtel 1991 an Rambo weiter. Vader war sogar drei Mal Champion bei der CWA. 

(2) IWGP HEAVYWEIGHT CHAMPIONSHIP

New Japan Pro-Wrestling macht Big Van Vader mit seiner legendären Maske ganz groß. Im April 1989 holte er den vakanten IWGP-Titel in einem Turnier von Shinya Hashimoto. Diese Version des Titels hielt erstmals ein Nordamerikaner. Vader gewann bis 1991 den Gürtel drei Mal. 

(3) UWA WORLD CHAMPION

Am 22. November 1989 nahm Vader dem legendären El Canek in Mexiko die UWA Heavyweight Championship ab. Der  Riese war zu dieser Zeit ganz oben angekommen und hielt World Championships in verschiedenen Ländern. 

(4) WCW WORLD CHAMPIONSHIP 

Bei World Championship Wrestling feierte Vader seine bedeutendsten Titelerfolgein Nordamerika. Im Juli 1992 entthronte er mit Sting einen seiner Lieblingsgegner um den WCW-Titel. Im Dezember 1992 (gegen Ron Simmons) und im März 1993 (gegen Sting) folgten weitere Titel-Erfolge. Gegen beide Männer hatte er den Gürtel jeweils auch zuvor verloren. 

(5) ALL JAPAN TRIPLE CROWN 

Als seine besten Tage bereits hinter ihm lagen, setzte All Japan Pro-Wrestling den weiterhin in Japan gefürchteten Vader ein. 1999 gewann er den Titel in Schlachten gegen Akira Taue und Mitsuharu Misawa gleich zwei Mal. 

https://youtu.be/Gy9lwHXphEk