Was ist die Perspektive für die dritte WWE-Brand – und wie konnte es so weit kommen? (+)

Das ist nicht mehr das NXT wie es einmal war. Die Zeiten mit den absoluten Kult-Take-Over-Shows, die nichts falsch machen konnten, liegen lange zurück. Bis 2019 war NXT die US-Alternative zum eigenen WWE-Produkt. 2015 bis 2017 erlebten wir hier den neuen Aufstieg des Women’s Wrestling mit Charlotte, Sasha Banks, Bayley und Becky Lynch. Ganz zu schweigen von den herausragenden Main Events mit Samoa Joe, Finn Bálor, Kevin Owens, Shinsuke Nakamura, später Johnny Gargano sowie Tommaso Ciampa und vielen mehr. 

Vom Start auf dem WWE Network im Frühjahr 2014 erlebte die Brand einen Wandel. Ursprünglich als Show gestartet, um den Nachwuchs aufzubauen und zu fördern, machte WWE aus NXT bald eine „Super-Indie-Promotion“. Als TNA brach lag und die US-Fans, die es mit Raw und SmackDown nicht aushielten, auf Ring of Honor und New Japan Pro-Wrestling schielten, konnte NXT nahezu jedes Talent bekommen, das man haben wollte. Das wieder populärer werdende Wrestling abseits von WWE wurde abgegraben und mit einer hochwertigen TV-Produktion aufgepimpt. Gegen die finanziellen Ressourcen von WWE kam keine Indie-Promotion an, zumal WWE alternativlos das Ziel eines jeden Wrestlers war, der auf der größten Bühne antreten und das beste Gehalt verdienen wollte. 

Das Publikum, das sich von Raw und SmackDown nicht angesprochen fühlte, wuchs über die Jahre. Und damit konnte der Independent-Markt gestärkt werden, zumal New Japan Pro-Wrestling ein Exil für jede Menge Top-Talente bot. Die Konstellation der vorhandenen Wrestler (inklusive bedeutender Namen) im Independent-Bereich und das vorhandene Interesse einer TV-Zusammenarbeit von Time Warner, eröffnete im Laufe 2019 die Möglichkeiten für Tony Khan, sein AEW-Projekt zu schmieden. Dies ist vor allem deshalb für die Geschichte relevant, weil sich daraus der Start von „Dynamite“ und der direkte Konkurrenzkampf mit „NXT“ im US-Kabelfernsehen am Mittwoch ergab. 

Die Entscheidung, „NXT“ vom WWE Network auf das USA Network umziehen zu lassen und als direkte Konkurrenz für „Dynamite“ zu positionieren, hat die schwarz-goldene Brand für immer verändert – und für viele Fans nicht zum Besseren. War die wöchentliche, bis dahin einstündige Show der vorsichtige Begleiter zu den TakeOver-Shows, um die sich immer alles drehte, mussten jetzt jede Woche zwei TV-Stunden auf die Beine gestellt werden, die bestenfalls das Publikum begeisterten. Die kreative Erfüllung blieb jedoch aus, zudem hatte der Kader längst einige der besten Leute an Raw und SmackDown verloren. Lücken, die bis heute nicht adäquat gefüllt werden konnten. 

WWE NXT Star Pete Dunne bei einem Festival-Event in England - (c) 2020 WWE. All Rights Reserved.