Im ersten Teil der „On Tour“-Serie haben wir auf die allererste WWE-Tour im April 1992 zurückgeblickt. Im November des Jahres und dann Anfang 1993 ging es bereits in Deutschland weiter… (PW+)

Hoffentlich hast du den ersten Teil unserer „On Tour“-Serie bereits gelesen. Darin gab es Wolfgang Stachs persönlichen Erlebnisbericht zur ersten WWE-Tour durch Deutschland (April 1992). Im darauffolgenden November und dann wieder im Februar 1993 folgten die nächsten Deutschland-Touren der World Wrestling Federation. PW-Herausgeber Wolfgang Stach war damals in den Hotels den Superstars dicht auf den Fersen. Nach dem großen Interesse am Beitrag aus dem Vormonat, präsentieren wir euch hier die „On Tour with the WWF“-Beiträge, die im PW-Vorgänger Fanzine „WFA-News“ erschienen sind (Ausgaben 5/92 und 1/93). 

Die damaligen Touren gingen übrigens durch diese Städte: 25.9.92: Dortmund, 26.9.92: Hamburg, 27.9.92: Kiel, 30.9.92: Berlin, 1.10.92: München, 2.10.92: Aschaffenburg, 3.10.92: Frankfurt / 5.2.93: Bayreuth, 6.2.93: Mannheim, 7.2.93: Hamburg, 8.2.93: Berlin, 9.2.93: Aschaffenburg, 10.2.93: Dortmund. 

DIE RÜCKKEHR DER FEDERATION 

Auch diesmal war es für Karin und mich natürlich wieder eine Selbstverständlichkeit, an so vielen Veranstaltungen wie möglich teilzunehmen. Es waren dessen fünf (Dortmund, Hamburg, Kiel, Aschaffenburg und Frankfurt). Da ja Owen diesmal nicht mitkam (worüber ich natürlich nicht gerade erfreut war), bot sich mir aber wenigstens die Möglichkeit, mehr Zeit mit den anderen WWFlern zu verbringen und diese besser kennenzulernen (zumindest hatten wir dies vor). 

In der Hotelbar in Dortmund kam uns der Zufall zugute, da urplötzlich als die Catcher hereinkamen die Barhocker rund um uns herum frei wurden und wir plötzlich mittendrin saßen. Da Bret, Mike Jones (Virgil) und Steve Keirn (Skinner), die wir ja schon etwas besser kennen, erst ganz zum Schluß kamen, fanden wir uns plötzlich umringt von WWFlern, die uns erst einmal etwas misstrauisch anschauten. Da die Barbedienung kein sonderlich gutes Englisch sprach, kam man sich etwas näher, und einige gezielte Bemerkungen und Fragen zu Owen (wie es denn seinem verletzten Knie gehe, dass wir enge Freunde seien und ich mir deswegen Sorgen mache usw.), ließen dann das Eis tauen. Gänzlich weg waren alle Vorbehalte, als wir von Bret, Mike und Steve herzlich begrüßt wurden. 

Wie bereits bei der ersten Tour, als sich meine Vorurteile zu Mike, Hawk und Dino Bravo ins genaue Gegenteil verkehrten, war es diesmal genauso. Zwar hatte ich die Bushwhackers ganz lustig gefunden, mehr aber auch nicht. Obwohl ich einer der entschiedensten Verfechter bin, dass man jemanden nicht nach seinem Äußeren (und schon gar nicht nach seiner Show als Catcher) beurteilen soll, hatte ich dies bei ihnen doch unwillkürlich getan und sie mir als nicht sonderlich intelligente Menschen vorgestellt. 

Sehr schnell wurde ich aber eines Besseren belehrt. Butch und Luke zählen zu den intelligentesten Catchern und zu den sympathischsten Menschen überhaupt, die ich bisher kennengelernt habe. Vor allem sind sie auch, in erster Linie Butch (der am 21. Oktober übrigens 49 Jahre alt wurde, herzlichen Glückwunsch auch von dieser Stelle aus), ausgezeichnete Menschenkenner, bekamen einige Dinge mit, die sie eigentlich gar nicht sollten, gaben einem dann aber sehr gute Ratschläge (allerdings galt dies erst ab Aschaffenburg, in Dortmund fuhren wir recht früh, zu früh, ab, und in Hamburg und Kiel spielte der uns auferlegte Zeitplan nicht mit). 

Jedenfalls besiegte uns Butch in Dortmund haushoch bei dem von ihm kurzfristig angesetzten Sangeswettbewerb. Sein absolutes Lieblingslied, das wir nachsingen sollten, lautet: „It doesn’t matter, it doesn’t matter, it really doesn’t matter who you are.“ Da meine Stimme aber den durchschlagenden Erfolg hat, dass sie entweder zehn Meter rings um uns für Platz sorgt oder man Prügel angedroht bekommt, hielt ich mich angesichts der ungleich verteilten Kräfte zurück (Karin ebenfalls), und so malte Butch dann überglücklich immer seine Siegesstriche an die Bar. 

Die nächste Überraschung bildeten die Beverly Brothers (Beau heißt richtig Wayne Bloom und Blake Mike Enos), wobei Mike nicht so unbedingt unser Fall war (den Grund lassen wir besser); er hat übrigens fünf Kinder (zwei aus seiner ersten Ehe, zwei weitere Kinder brachte seine Frau in die Ehe, und dann haben sie noch ein gemeinsames Kind). Ein äußerst sympathischer Mann ist aber der 33-jährige Wayne Bloom. Auf ihn trifft voll das Wort von Konfuzius zu: „Glücklich der, der sein Kinderherz nicht verliert.“ Dies ist aber absolut im positiven Sinn gemeint. 

Eine kurze Episode zeigt sehr gut auf, was für ein Superkerl er ist. Er beklagte sich mir gegenüber darüber, dass praktisch alle Mädchen, die er auf einer Tour kennenlernt, nur mit ihm ins Bett wollten, sie am Menschen Wayne Bloom aber gar nicht interessiert sind. Er sei aber nicht so ein Typ; vielmehr sei er glücklich in Des Moines verheiratet. Von Männern lernt er meist nur den typischen WWF-Fan kennen, der sich nicht traut, mit normaler Stimme und zu normalen Themen mit ihm zu reden; die anderen Hotelbewohner sehen in Catchern ohnehin nur irgendwelche exotischen Idioten. Deshalb sei er froh, einfach mal Menschen kennenzulernen, mit denen er sich ganz normal unterhalten kann, mit denen man Spaß haben kann und die nichts von ihm wollten. 

Butch war wie immer der Alleinunterhalter an der Bar. Er sorgte das eine um das andere Mal für Lachstürme, wobei wir den Sinn nicht immer mitbekamen, da es sich oft um typisch amerikanische Wortspielereien handelte. Nichtsdestotrotz ist er gleichzeitig auch ein sehr ruhiger und bedächtiger Typ, wenn man zu ernsthaften Themen mit einem redet. Dabei verblüffte er mit absoluter Menschenkenntnis; denn ohne uns großartig vorher gekannt zu haben, wusste er sofort, was zu bestimmten Dingen los war und gab die einzig richtigen Tipps. 

Interessant war die Reaktion der Catcher, wenn sich Fans näherten. Dann erstarben die Gespräche im Keim, es wurde das typische WWE-Gesicht aufgesetzt und der typische WWF-Magazin-Blödsinn von sich gegeben. Viele Fans ärgern sich dann, was für „arrogante Kerle“ die Catcher doch sind, dass man sich mit ihnen nicht vernünftig unterhalten könne etc. Was erwarten diese Leute denn auch, wenn sie, manchmal noch im angetrunkenen Zustand, plötzlich vertrauensvoll einen Arm um die Catcher legen, sie fragen: „Hey, ist das alles Show oder Ernst?“, sich mitten in Gespräche drängen und so tun, als ob es das Selbstverständlichste der Welt sei? Auf der anderen Seite ist es aber wahrscheinlich auch das, was die Fans erwarten: dass der betreffende Catcher nämlich sein Gimmick auch im Privatleben weiterspielt. 

GESCHLOSSENE GESCHÄFTE GUT FÜR DIE GELDBÖRSE

Sauer waren alle (bis auf Ted DiBiase), dass der 3. Oktober ein Feiertag war und nahezu alle Geschäfte geschlossen waren. Da Aschaffenburg und Frankfurt ja nur wenig auseinanderliegen, war dies der einzige Tag, wo sie bis nachmittags „freien Ausgang“ hatten und den zum Shopping nutzen wollten. Wegen des Tags der deutschen Einheit ging das aber nun mal nicht. Lediglich Ted freute sich, da er (wie auch Flair) seine Frau mithatte und diese nun nicht das Konto für Einkäufe plündern konnte. 

Weniger erfreut war Luke, da er sich so viele Sachen kaufte, dass der Platz in seinem Koffer und der Tasche nicht ausreichte. Am Hauptbahnhof waren zwei „Camel“-Taschen zu haben, eine große und eine kleine. Luke wollte genau eine in der Mitte von beiden, was aber nicht ging. Folglich rennt er jetzt mit einer Riesentasche mit dem „Camel“-Dromedar durch die Gegend, das gerade jodelt. „Cameljodeldiedu“ oder so ähnlich lautet nämlich die Aufschrift. 

Auf dem Weg zum Bahnhof und zurück unterhielten wir uns über Neuseeland, Politik, die Asylprobleme in Deutschland und so weiter und so fort. Es war ganz interessant zu erfahren, wie sich etwa Neuseeland in der Einwanderungsfrage verhält, was über Deutschland in den USA zu lesen bzw. zu hören ist etc. Wie auch Butch hängt auch Luke mit seinem ganzen Herzen an Neuseeland (obwohl er bereits Jahrzehnte in den Staaten lebt) und gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er über seine Heimat spricht. Man glaubt es beiden gerne, wenn sie sagen, dass sie ihr erspartes Geld in neuseeländischen Ländereien anlegen und nach ihrem Retirement dorthin zurückkehren wollen. 

Einen sehr positiven Eindruck machten auch Randy Savage und sein Bruder Lanny (Genius) auf uns. Obwohl wir mit ihnen nicht so viel zu tun hatten, da sie meist mit Ted, Ric, IRS und dem Model an einem Tisch saßen, grüßten sie freundlich und hatten immer Zeit für ein paar persönliche Worte. Charles Wright (Papa Shango) und Karin unterhielten sich angeregt über seine Zeit in Deutschland und eine gemeinsame Freundin, mit der er seinerzeit liiert war. 

Sehr sympathisch waren auch die Road-Agents der WWF, die diesmal lockerer und zugänglicher waren als bei der ersten Tour. Sie bestätigten uns auch, was schon Bret und Butch andeuteten, dass die WWF künftig drei- bis viermal im Jahr nach Deutschland kommen will und die nächste Tour für Februar geplant ist. 

Kurzum: Es waren erneut sehr schöne Tage, die neue vielversprechende Bekanntschaften brachten (von Freundschaft zu reden wäre nach den wenigen Tagen sicherlich übertrieben). Adressen wurden ausgetauscht und ein Wiedersehen für Februar vereinbart. Karin und ich würden uns jedenfalls freuen. Denn die Catcher Butch, Luke, Wayne und Mike Jones sind es nicht unbedingt wert, die Menschen Butch, Luke, Wayne und Mike auf jeden Fall. 

Nun noch ein paar Eindrücke zu den Veranstaltungen: Dortmund war bislang die absolut schwächste Vorstellung der WWF, die ich in Deutschland gesehen hatte. Allerdings waren sie erst einen Tag zuvor angekommen, so dass sich dort der Time- und Jetlag vielleicht erst richtig auswirkte. Das Geschubse, das sich Savage und Flair in der Westfalenhalle leisteten, war jedenfalls unter aller Kritik (um nicht ein härteres Wort zu gebrauchen). 

Von der Gesamtveranstaltung her, hat mir Aschaffenburg mit Abstand am besten gefallen (weniger die Ordner; im Rheinstadion Düsseldorf sind 70.000 Personen eher drin als 5.000 oder so in Aschaffenburg). Die recht kleine Halle, die ausgezeichnete Sicht von jedem Platz aus und die Superstimmung, die dort herrschte, machte es aber alles wieder wett. Auch den meisten Wrestlern hat Aschaffenburg am besten gefallen. Dies zeigte sich auch während der Veranstaltung, denn man konnte richtig sehen, wie sie Spaß hatten. So zeigten dann auch die Naturals mehrere lustige Einlagen. Darüber hinaus ist Aschaffenburg eine wunderschöne Stadt, die einen Ausflug wirklich lohnt. 

Der beste Kampf war, ebenfalls mit Abstand, das Aufeinandertreffen von Randy Savage und Ric Flair in Frankfurt. Beide zeigten wirklich einen sehr guten Kampf, dem man durchaus ****-Sterne geben kann. Nonstopaction, viele schöne Griffe und wenig Leerlauf (wie noch in Dortmund, s.o.). Sehenswert waren zumeist auch die Kämpfe von Bret. 

Einen kleinen Tipp: Wenn ihr bei einer Veranstaltung seid, achtet dann doch mal auf die Kinder. Es ist die reinste Augenweide, sie zu beobachten. Wie sie mit großen kullerrunden Augen den Auftritt ihrer Idole betrachten, besonders den der Bushwhackers. Wie sie mitgehen und voller Wut losschimpfen, wenn die Bösewichter den lieben Jungs was vermeintlich böses antun. Wie sie ihre kleinen Händchen wütend hin- und herschwingen. Dies ist oftmals interessanter als der Kampf an sich. Übrigens: Auch Butch findet das Verhalten der Kinder am interessantesten. Dies ist auch einer der Gründe, warum er sich so oft an den Seilen umdreht; er ist nämlich absolut vernarrt in Kinder! Darum freut er sich auch immer auf Autogrammtermine oder irgendwelche Aktionen mit den Kindern. 

So, das war Teil zwei der WWE-Erlebnisse. Obwohl einige wenige (zumindest von der Zahl der Briefe her) lautstark Kritik an derartigen Artikeln äußerten, glaube ich, dass sie auch ihre Berechtigung haben! Oder? 

DIE DRITTE WWF-TOUR IM FEBRUAR 1993

Auch diesmal hieß es wieder für Karin und mich: auf zur WWF. Im Gegensatz zu den beiden bisherigen Tourneen, verlief der Start diesmal nicht so sonderlich berauschend für uns. Zwar bedankte sich Luke von den Bushwhackers im Hotel nach dem Bayreuth-Event für die ihm von mir übersandten Magazine – das war es dann aber auch schon. Butch lief an uns vorbei, ohne einen zu beachten, und auch sonst tauchte keiner von denen auf, die wir kennen. 

Als wir uns dann auf ein frühes Schlafengehen einrichteten, kam es glücklicherweise doch anders. Plötzlich fielen bei Butch die Zehn-Cent-Stücke direkt dutzendweise, ließ Ted DiBiase Nudel Bolognese Nudel Bolognese sein und begrüßte uns herzlich, und auch Bret tauchte endlich in der Hotelbar auf und setzt sich dann direkt an unseren Tisch. Endlich seinen Heißhunger bezwungen, kam dann auch der Million Dollar Man zu uns. 

Da die Hotelbar von allen bisher Erlebten die am wenigsten gemütliche war und auch sonst im Hotel nichts los war (zumal ich mich standhaft weigerte auf Jerry Saggs‘ Vorschlag einzugehen, einen Striptease hinzulegen), wurde dann beschlossen, eine Diskothek unsicher zu machen. 

Die ursprünglich ausgesuchte Disco war natürlich geschlossen, und beim Suchen verfranzte ich mich total im Einbahnstraßengewirr, worauf mir ein herzhaftes „Sch….“ herausrutschte. Plötzlich tönte es von der Beifahrerseite von IRS her: „Hey, that’s my name.“ Mike Rotunda hatte ja bekanntlich vor einigen Jahren in Deutschland mehrere Monate für die CWA gekämpft und dabei ein paar Brocken Deutsch gelernt. Und sein Gimmickname „Shyster“ wird ja bekanntlich nicht anders als „Scheißter“ ausgesprochen. Natürlich war Ted neugierig, warum wir lachten, also meinte Mike trocken: „Shyster means Shitter in german“, woraufhin von hinten ein Lachen den Wagen durchdröhnte. 

Endlich in der anderen Disco angekommen (wahrscheinlich die einzige noch geöffnete), nahm Butch erst einmal ein Drittel der Tanzfläche ein, weil er auch nicht anders tanzt, als er sich im Ring bewegt. Jedenfalls kam Stimmung auf, die auch die restlichen Stunden erhalten blieb. 

Nach wenigen Stunden Schlaf ging es dann weiter nach Mannheim, wo ich dann endlich auch mit Mike Jones (Virgil) ein Wiedersehen feiern konnte (er war am Abend zuvor spurlos verschwunden gewesen). Bei der Abfahrt mussten alle auf Brian und Ric Flair warten, weil diese ihren Zimmerschlüssel abgebrochen hatten. Vor dem Event trafen wir uns mit Bernd und Uwe (gehörten damals zum WFA-Team; Anm. d. Red.) und schauten uns gemeinsam die Veranstaltung an. Das Treffen danach wurde dann aber nur sehr kurz, da an diesem Abend noch sehr viel Aufklärungsarbeit mit einigen WWFlern betrieben werden musste. 

Nichtsdestotrotz ging es, wie auch schon im Vorjahr, in der Hotelbar so richtig zur Sache. Butch sang einige seiner Lieder, Ric Flair und Brian Knobbs (der übrigens eine österreichische Großmutter und einen deutschen Großvater hat) tanzten irgendwelche Tänze eines mir unbekannten Stammes, Brian machte einige nicht ganz so jugendfreie Späßchen, und Bret schüttete mir kurzerhand Bier auf die Hose, als Brian zu wild tanzte. Zuguterletzt klaute mir Butch noch meinen Bacardi-Cola und gab diesen Sammy (Samu). Auf meine lautstarken (nicht ganz so ernst gemeinten) Proteste, stellte sich alles als Missverständnis heraus, woraufhin ich dann Sammys Cuba Libre erhielt und mit ihm ins Gespräch kam. Ganz entgegen seinem Gimmick ist er ein äußerst liebenswerter und lustiger Kerl, mit dem wir uns direkt prima verstanden. 

Als Bret und Ted uns dann fragten, ob wir mit in eine Disco gehen wollten, stimmten wir sofort zu und kamen dann in ihrem Gefolge auch ohne Clubkarte hinein (wo Karin und ich dann aber nicht lange blieben, weil es total verqualmt, eng und etliche Dezibel zu laut war). Nach und nach tauchten dann auch wieder einige Wrestler im Hotel auf, und es ging dort weiter zur Sache. 

Auf Hamburg musste ich dann wegen eines dringend und plötzlich zustande gekommenen anderen Termins verzichten, wo mich aber Anke gut vertrat. Wie mir erzählt wurde, gab es auch dort viel Spaß, wurde die Reeperbahn unsicher gemacht (die aber von den meisten als enttäuschend empfunden wurde) und wurde sich dann lieber in eine Disco verzogen (wo ein Heel den Bierflaschenweitwurf übte, zu seinem Glück aber nicht traf). 

Berlin wurde ausgelassen, um neue Kräfte zu tanken, und am Dienstag ging es schon weiter nach Aschaffenburg. Obwohl es sich um ein Luxushotel handelte, waren etliche Catcher stinksauer, dass es um 15:30 Uhr schon nichts mehr vernünftiges Warmes zu essen gab. Mit ein paar Flüchen ging es dann ab zum Bus. 

KLEINE SPÄSSCHEN DIREKT AM RING

Besonders lustig wurde es dann in der Halle, weil wir diesmal in der ersten Reihe saßen, und zwar genau dort, wo die Catcher aus dem Ring herausstiegen und zur Umkleide marschierten. Neben einigen Grimassen und Späßchen von Bret und Ted aus dem Ring heraus, war es dann besonders Paul Bearer, der mir mit einem klagenden Ton die Urne hinstreckte. Den meisten Spaß gab es aber mit Sammy, da dieser, als er mich sah, stehenblieb, wie wild am Gitter rückelte, mir irgendetwas in samoanisch zuschrie und mir drohte (zuvor hatte sich Karin schon ein paar „Meckereien“ von ihm gefallen lassen müssen). Zurück in der Hotelhalle löste dies dann einige Lacher aus, weil ich ihn mir natürlich „aufs tiefste empört“ vorknöpfte. 

Nach dem Dortmunder Event hieß es dann von den meisten für zwei Monate Abschied zu nehmen. Zuvor überreichte mir Bret aber noch das Bild von seiner Frau Julie und den vier Kindern. Zwar ist es eine Binsenweisheit, aber ich staunte doch nicht schlecht, wie sehr die vier, seit ich sie vor zwei Jahren zuletzt gesehen hatte, gewachsen sind. Da ich ja Owen Ende April, Anfang Mai wieder besuchen werde, folgte dann direkt eine Einladung Brets. 

Mit Brian Knobbs und Jerry Saggs ging es auf einen Einkaufsbummel in die Stadt, wobei Karin für Jerry und ich für Brian den Reiseführer spielte. Für seine Verlobte (eine sehr hübsche, langhaarige Blondine; in wenigen Wochen ist Hochzeit) kaufte Brian (er wird am 6. Mai übrigens 30 Jahre alt) eine schöne Swatch-Uhr, während Jerry sich ein paar typisch deutsche Andenken mit nach Hause nahm und auf dem Rückweg zum Auto für sein neun Monate altes Töchterchen einen wunderschönen Anzug kaufte. Jedes Mal wenn er über sie sprach, leuchteten seine Augen vor Glück und Stolz. Er freute sich wie ein Schneekönig, sie bald wieder in seine Arme nehmen zu können. 

Nach einem etwas missglücktem Beginn war es die bislang mit Abstand schönste Tour mit der WWF (wobei natürlich nur Owen fehlte, um es perfekt zu machen), da die Vertrauensbasis immer größer wird und sich zu einigen wirklich tiefergehende Bindungen aufbauen. So etwa zu Butch, der einer der liebenswertesten Menschen ist, die ich kenne. So fiel uns dann auch der Abschied von ihm besonders schwer. 

Mittlerweile weiß auch der allerletzte, dass ich Schreiber eines Fanclubheftes und auch im Hauptberuf Journalist bin. Mit Ausnahme einiger verzweifelter (und alles andere als ernst gemeinter) Abwehrversuche von Luke (der es aber nicht schaffte, ein böses Gesicht zumachen), war dieses dann auch bei keinem ein Thema und veranlasste keinen zu einem abrupten Themenwechsel, wenn Karin und/oder ich uns näherten. 

Etwas enttäuscht war ich von Ric Flair, der, ähnlich wie seinerzeit Shawn Michaels, eine gewisse Arroganz an den Tag legte, die absolut überflüssig war, und der auch anscheinend den Erfolg einiger anderer Wrestler nicht so sehr verkraftete. Jedenfalls war die von ihm ausgehende Spannung gegenüber einigen anderen deutlich spürbar. 

Besonders freute es mich, dass man mittlerweile von den WWFlern anerkannt wird. So kam etwa im Hotel nach dem Aschaffenburger Event Paul Bearer mit ausgestreckter Hand auf mich zu, sagte, Owen habe viel von mir erzählt, als sie sich über Deutschland unterhielten, habe ihm gesagt, dass ich auch mit Bret befreundet sei, und als er sah, wie wir miteinander sprachen, wollte er dann ganz einfach mal guten Tag sagen. 

Zum Abschluss dürfen nicht die obligatorischen Grüße und Dankesbezeugungen fehlen. Ein besonders herzliches Danke schön für die hervorragende Unterstützung seitens M. P. von Mama Concerts. Ein nicht minder herzliches Danke für die Unterstützung, Hilfe und lustigen Stunden an Karin und Anke sowie an Sabine und an Anke aus Schönebeck. In Mannheim dürfen natürlich Uwe und Bernd nicht vergessen werden. Und auch Danke an alle, die ich vergessen habe!

WOLFGANG STACH