Bevor es Power-Wrestling ab 1995 am Kiosk gab, erschien das Heft einige Jahre als Fanzine für einen kleineren Leserkreis. Schon damals war PW-Herausgeber Wolfgang Stach in der Szene unterwegs. Auch als die World Wrestling Federation im April 1992 erstmals zu Besuch nach Deutschland kam. Ein historischer Erlebnisbericht, der ursprünglich vor 28 Jahren erschienen ist. 

Power-Wrestling gibt es Anfang 2020 ein Vierteljahrhundert am Kiosk. Doch zuvor erschien PW bereits als Fanclub-Heft, hervorgegangen aus den „WFA-News“. Schon damals schrieb PW-Herausgeber Wolfgang Stach über die World Wrestling Federation – und war persönlich mit dabei, als die WWF im April 1992 erstmals nach Deutschland kam (12.2.92 Kiel, 14.2.92 München, 15.2.92 Frankfurt, 16.2.92 Dortmund; Wolfgang war bei allen Shows, nur nicht beim TV-Event in München). Aus den damaligen WFA-News (Ausgabe 2/92) folgt hier der persönliche Erlebnisbericht Wolfgangs. Dieser Artikel wird nach siebzehneinhalb Jahren erstmals wiederveröffentlicht und ist damit mehr als nur ein paar Dutzend Fanclub-Mitgliedern zugänglich:

REISESTRESS FÜR FEDERATION-CATCHER

Mitte April war es endlich soweit. Das erste Mal in ihrer Geschichte kam die WWF nach Deutschland. Und der Erfolg gab ihr recht: Alle Hallen waren restlos ausverkauft, darunter auch mit rund 13.000 Zuschauern Deutschlands größte, die Westfalenhalle in Dortmund. Obwohl ich persönlich nicht gerade der größte Fan der WWF bin, war es für mich eine Selbstverständlichkeit zumindest die Turniere in Kiel, Frankfurt und Dortmund zu besuchen und dort durch meine Freundschaft zu Owen und meine Bekanntschaft zu Bret einige Wrestler kennenzulernen (was dann auch geschah).

Von vielen wird ja geglaubt, so eine Tour ist für die Catcher eine Art Urlaub und man kann eine Menge von dem jeweiligen Land kennenlernen. Dies ist aber ein Riesenirrtum! So eine Reist ist vielmehr Stress pur! Nehmen wir einmal Team 2 (in dem u.a. Undertaker, der Million Dollar Man, Big Bossman und Owen waren). Nachdem sie zusammen mit Team 1 gegen Mitternacht europäischer Zeit in Chicago abflogen, landete Team 2 dann nach einem Zwischenstopp in London um 12:10 Uhr in Amsterdam. Danach ging es dann in einem Bus weiter nach Rotterdam, wo sie gegen 14:30 Uhr ankamen. Um 16:30 Uhr war Abfahrt vom Hotel, und um 19:30 Uhr fing der Kampfabend an. Die meisten konnten sich also gerade mal eine Stunde aufs Ohr legen (inwieweit man dann nach dem anstrengenden Flug und dem Jetlag direkt einschlafen konnte, ist eine andere Frage), schnell unter die Dusche springen, und das war’s! Um sich wirklich auszuruhen, war keine Zeit. Bei der anderen Truppe war es ähnlich.

Bret "Hitman" Hart
Bret „Hitman“ Hart

Am nächsten Tag ging es dann mit dem Bus nach Brüssel. Am Nachmittag wusste noch keiner, wie am nächsten Tag die 720 Kilometer lange Strecke nach Kiel zurückgelegt werden sollte. Überhaupt war die Organisation nicht das Gelbe vom Ei, noch weniger allerdings der Service der sogenannten First-Class-Hotels. Auf jeden Fall wurde die Strecke Brüssel und Kiel dann am folgenden Tag wie folgt zurückgelegt. Wecken 5 Uhr morgens, Abfahrt zum Flughafen 5:30 Uhr, Flug nach London, dort Aufenthalt von mehreren Stunden, schließlich Flug nach Hamburg, dort Umstieg in einen der Busse (für Heels und Faces gab es jeweils getrennte Busse) und Fahrt nach Kiel, wo das Team 2 dann gegen 14:30 Uhr müde und hungrig ankam. Hintergrund ist folgender: Die WWF hatte ein Arrangement mit British Airways getroffen, die ihnen einen Sonderpreis eingeräumt hatten, dafür aber auch nicht mit anderen Gesellschaften geflogen werden durfte (was besonders beim Rückflug für böses Blut bei vielen Wrestlern sorgte, da diese dadurch zum Teil mehrere Stunden längere Reisezeiten in Kauf nehmen mussten; da konnte auch nicht trösten, dass man erster Klasse flog.)

Dadurch, dass das Hotel mir eine für mich hinterlegte Nachricht Owens nicht mitteilte, starteten wir Sonntagmorgen um 8 Uhr von Düsseldorf und waren bereits um 11:45 Uhr im 515 Kilometer entfernten Kiel angekommen, so dass es warten hieß. Endlich gegen 14:45 Uhr angekommen, fragte Owen mich, ob ich etwas dagegen hätte, Virgil zum Essen mitzunehmen. Ich sagte natürlich zu und war im Nachhinein auch sehr froh darüber, da Virgil sich als toller und intelligenter Kerl herausstellte.

Abends ging es dann in die restlos ausverkaufte Ostseehalle. Den Auftritt des Undertakers und Paul Bearers im Fernsehen zu erleben, ist ja schon toll, live war es aber für mich der Höhepunkt der drei Veranstaltungen, die ich sah. Auch die Kämpfe waren erstaunlich gut (wobei der vom Undertaker gegen Sid Justice allerdings enttäuschend war, und vor allem auch nur knapp fünf Minuten dauerte). Viel besser als erwartet war für mich der Kampf Virgil gegen den Warlord, von dem ich das schlimmste befürchtete, dann aber sehr angenehm überrascht…