In den späten Achtzigern und frühen Neunzigern stritten sich Sting und Lex Luger um die Rolle des WCW-Aushängeschildes. Beim ersten SuperBrawl verbündeten sie sich jedoch gegen das populärste Team der Promotion: die Steiner Brothers. Ein Match, das die bedeutendsten WCW-Eigengewächse im perfekten Zusammenspiel zeigte.

DER HINTERGRUND

„Wie gelingt es dir, immer in so guter Form zu bleiben?“, fragte ein junger und unerfahrener Sting kurz nach seinem Start bei der späteren WCW den firmenintern etablierten Star Lex Luger. Es war ein offensichtlicher Versuch, in der fremden Umgebung Anschluss zu finden und mit seinen neuen Kollegen eine freundschaftliche Arbeitsbasis zu etablieren. Doch sein Gegenüber blickte ihm daraufhin nicht einmal in die Augen. „Erdnussbutter und Smarties“, antwortete er kalt. Und ließ anschließend den Neuankömmling ohne Weiteres sitzen.

Zweifellos hatten die beiden Kollegen damit einen alles anderen als guten Start erwischt. Aber dies war nur mehr als verständlich, wenn man bedenkt, dass Luger und Sting sich in den Spätachtzigern als absolute Konkurrenten begegneten. Die hoch gewachsenen und gleichaltrigen Bodybuilder (sie waren lediglich neun Monate auseinander) hatten beide im Jahr 1985 ihr Debüt im Pro-Wrestling gegeben und galten in der späteren WCW schon frühzeitig als Bewerber um die Position des absoluten Aushängeschilds der Firma. Da aber bekanntlich im Professionellen Wrestling nur ein Mann ganz oben stehen kann, würde einer der beiden in den nächsten Jahren das Nachsehen haben müssen. Und keiner von ihnen würde freiwillig seine Chance auf hohe Geldsummen und globale Prominenz aufgeben.

Obwohl es Ende der Achtziger noch immer stark danach aussah, als würde der frühere Footballspieler und perfekt vorzeigbare Lex Luger diese hart umkämpfte Rolle ausführen können, nahm er selbst die Bedrohung in Form Stings dennoch frühzeitig wahr. Luger kannte nämlich seine Stärken, aber auch seine Schwächen. Ihm war nicht entgangen, dass seit Stings Ankunft World Heavyweight Champion und Booker Ric Flair stark beeindruckt vom Stinger war. Im Gegensatz zu Luger war Sting im Ring einfach kompetenter, er war sicherer und konnte auch überzeugendere Arbeit am Mikrofon leisten. Würde es nach Flair gehen, wäre Sting der richtige Mann für den Job.

Doch Luger hatte ein Ass im Ärmel. Der ausführende WCW-Produzent und Flair vorgesetzte Machthaber hinter den Kulissen, Jim Herd, bevorzugte ihn als Topstar der Liga. Mit Blick auf die damals erfolgreichen WWE-Zugpferde Hulk Hogan und den Ultimate Warrior nahm Herd nämlich an, dass die reinen Wrestlingfähigkeiten nur zweitrangig seien, es wären die kosmetischen Aspekte, die einen Wrestler vermarktbar machen und der Firma vorzeigbare Zuschauerzahlen und Einschaltquoten bescheren würden. Ein großer Teil des oft rezipierten Streits zwischen Flair und Herd war also die Frage, welcher Publikumsliebling ihn in seiner Rolle als Champion beerben und die Firma als neuer Topstar in den Neunzigern anführen würde.

Vorerst setzte sich Flair jedoch gegenüber seinem Boss durch und ermöglichte Sting den vorgezogenen Push zum World Heavyweight Champion zu Beginn der neuen Dekade. Doch die Zuschauerzahlen und Finanzen der Liga veränderten sich nicht, so dass Sting trotz seiner Titelregentschaft keinesfalls als Sieger aus dem ligeninternen Konkurrenzkampf mit Luger hervorgegangen war. Es wurde schließlich die Entscheidung getroffen, nun Luger seine Chance auf den Topspot zu geben und ihn ähnlich wie Sting den etablierten Bösewicht Ric Flair im Ring entthronen zu lassen.

Bis es allerdings zu diesem Szenario kommen sollte, ließ man Luger und Sting als Tag Team auftreten. Der Gedanke hinter dieser Paarung bestand darin, dass der in den Augen der Zuschauer stärker etablierte Sting durch geschickte Tag-Team-Kämpfe Luger eine gewisse Legitimität als neuer #1-Herausforderer auf die Championship verleihen sollte. Beide Männer waren von der Idee auch sehr angetan. Nach den anfänglichen Turbulenzen hatten sie sich hinter den Kulissen mittlerweile nämlich zu sehr guten Freunden entwickelt, die nicht nur privat viel Zeit miteinander verbrachten, sondern auch Geschäftspartner geworden waren. Gemeinsam teilten sie sich nun ein Fitnessstudio und verfolgten große wirtschaftliche Expansionspläne im und abseits des Rings.

Auf der Suche nach geeigneten Fehden-Gegnern für die Top-Publikumslieblinge stießen die Verantwortlichen auf ein Brüderpaar aus Michigan, das sich in der damaligen Tag-Team-Division bereits Kultstatus erarbeitet hatte: die Steiner Brothers. Die beiden früheren Amateurringer hatten ebenso wie Sting und Luger seit Gründung der WCW der Liga beigewohnt und in der Tag-Team-Division für ähnliches Aufsehen gesorgt wie Sting und Luger in den Einzelrängen. Im Jahr 1991 waren sie mit großem Abstand das etablierteste und erfolgreichste Team, das die WCW je in den eigenen Reihen hatte. Vor allem dank ihrer brutalen Suplexes, die für viele ihrer Gegner real schmerzhafte Folgen hatten, konnten sich Rick und Scott eine für ein Tag Team herausragende Fanbasis erarbeiten. Immer wieder dachte man sogar an, dem jüngeren Steiner-Bruder Scott eine Chance im Main Event zu geben. Schließlich besaß er einen unglaublich muskulösen Körperbau, einen legitimen sportlichen Background und die Wrestlingfähigkeiten, um auch auf sich alleine gestellt ein wichtiger Gelderzeuger für die Liga sein zu können. Doch erneut hatte sich Ric Flair zu Wort gemeldet und der Führungsspitze deutlich gemacht, dass Steiner nicht das Zeug für eine Top-Position habe.

Herd, der es langsam leid war, von seinem Booker und Champion immer wieder zu hören, dass seine Favoriten nicht das Zeug für die oberen Ränge hätten (Flair hatte zwischenzeitlich auch Sid unzureichendes Potential attestiert), wollte Steiner aber eine Aufstiegsmöglichkeit dennoch einräumen. Außerdem zweifelte er langsam daran, dass Dauer-Champion Ric Flair wirklich alle seine ausgewählten zukünftigen Stars für unfähig hielt. Vielleicht wollte der gewiefte Nature Boy ja auch nur seine eigene Zeit an der Spitze ausdehnen und schob die angebliche Inkompetenz seiner Kollegen immer wieder vor, um den Topspot für sich selbst zu sichern.

Es kam schließlich zu Beginn des Jahres zu einem 25-minütigen Match zwischen Flair und Steiner, das nach dem Ablauf des Zeitlimits in einem Unentschieden endete. Während die durchschnittliche Leistung im Ring wenig spektakulär anmutete, ging es vor allem hinter den Kulissen im Anschluss heiß her. Steiner fühlte sich nämlich im Ring sabotiert und artikulierte lautstark seine Meinung bezüglich Flair. Obwohl die These, dass Steiner von Flair absichtlich schlecht und unerfahren im Ring dargestellt wurde, heute auch von kundigen Leuten wie Lance Storm geteilt wird, beendete der Kampf vorzeitig Steiners Aussichten auf einen lukrativen Job in der Einzel-Division. Er trat ab nun wieder in der Tag-Team-Szene mit seinem Bruder an und verspürte den Wunsch, seine zahlreichen Kritiker mit guten Leistungen zu überzeugen.

Die Fehde der vier Männer wurde folglich von dem Willen aller Beteiligten begleitet, sich eine bessere Position innerhalb der Firma zu sichern: Sting wollte beweisen, dass er trotz schwächerer Zahlen während seiner ersten Titelregentschaft den Topspot der Liga verdiente, Luger wollte beweisen, dass er es verdiente, die WCW World Heavyweight Championship zum ersten Mal zu erringen, und Scott wollte beweisen, dass er mehr anzubieten hatte, als Flair ihn hatte zeigen lassen. Aufgrund ihrer ausgeprägten Freundschaft hinter den Kulissen (alle vier Männer reisten und trainierten regelmäßig zusammen), brüteten sie lange gemeinsam über die Strategie, um ihren großen Showdown überzeugend zu gestalten. Schließlich waren alle vier Männer Publikumslieblinge und konnten deshalb nicht auf die gängige Ringpsychologie eines Duells zwischen Gut und Böse zurückgreifen. Schließlich war es Sting, der die Richtung des Kampfes vorgab. Sein Plan: Man sollte rausgehen und in einem wilden Spotfest die etablierten individuellen …