WWE TLC: Tables, Ladders & Chairs 2014
Sonntag, 14 Dezember 2014 / Quicken Loans Arena in Cleveland, Ohio / 14.000 Zuschauer

Das Pay-Per-View-Jahr beendete die WWE auch 2014 wieder mit Tables, Ladders and Chairs. Für diese Ausgabe gab es sogar noch eine Zugabe: Stahltreppen. Krachende Aktionen vor rund 14.000 Zuschauern in der Quicken Loans Arena in Cleveland, Ohio, waren demnach garantiert. Außerdem gab es in einem der zentralen Matches in Form von Roman Reigns die Rückkehr eines über Monate verletzten Superstars.

Vor Beginn der Hauptveranstaltung wurde dem Publikum noch ein Kickoff-Match geboten: The New Day (Big E und Kofi Kingston) holten hier einen Sieg gegen Gold & Stardust. Big E lud zur Entscheidung Stardust zum Big Ending auf. Kingston folgte mit einem Sprung vom mittleren Ringseil auf Cody. Die kombinierte Aktion bekam den Namen: The Midnight Hour. Ein Sieg für den neuen Tag. (11:15) **

ZIGGLER UND HARPER OHNE RÜCKSICHT

Intercontinental Championship – Dolph Ziggler bes. Luke Harper: Der Herausforderer durfte heute den Lokalmatador geben. Normalerweise lässt sich Ziggler aus Hollywood (Florida) ankündigen, heute Abend verkündete Lilian Garcia allerdings seine ursprüngliche Herkunft: Cleveland – tatsächlich die Stadt, in der Ziggler aufgewachsen ist. Das sollte ihm noch mehr Unterstützung als eh schon gewohnt durch das Publikum garantieren. Und die brauchte er auch. So musste Dolph nämlich schon in der Anfangsphase hart einstecken. Er wurde über die Zeitabnehmer-Absperrung geworfen, landete auf Leitern und kassierte außerhalb des Rings einen Bossman Slam.

Der erste wirksame Gegentreffer gelang Ziggler, als Harper mit einem Topé durch die Seile schoss und ihm Ziggler eine Leiter in den Weg stellte. Harper landete unglücklich auf dem Metall und entkam sicher nur knapp einer schwereren Verletzung. Daraufhin machte Dolph auch seinen ersten Anlauf auf den Titel, wurde aber stattdessen mitsamt der Leiter umgeworfen und stürzte unsanft auf den Ringboden.

Das Match ging auch rein optisch nicht spurlos an beiden vorüber. Blessuren auf Zigglers Körper wurden schon zur Mitte des Matches von den Kameras eingefangen. Harper zog sich eine Wunde am Kopf zu, die mit mehreren Stichen genäht werden musste. Und bei Dolph sah es noch schlimmer aus, der sich einen deutlichen Cut zuzog, als er einen Slingshot unter den Seilen mitsamt einer Leiter kassierte. Weil ein WWE-Arzt sich daraufhin um Zigglers Schnittwunde kümmerte, wurde kurz das Match verlangsamt. Dolph musste dann aber zurück zwischen die Seile, weil Harper drauf und dran war, sich seinen Titelgürtel zu holen.

Von diesem Moment an legten beide Akteure noch mal einen Gang zu. Es gab einige Bumps von der Leiter und auch auf die Leitern, die nicht allesamt ideal wirkten. Gerade ein Dolph Ziggler hat über die Jahre schon einige Bumps genommen, die in der Summe so wirken, als würden sie eher karriereverkürzend ausfallen. In diesem Fall lohnte sich der Einsatz aber: Denn am Ende konnte Ziggler, der ebenfalls wie Harper oben auf einer Leiter stand, seinen Konkurrenten mit einem Superkick auf die Matte befördern. Anschließend war der Weg frei: Ziggler pflückte den Gürtel von der Konstruktion und wurde zum vierfachen IC-Champion. Ein Stunt-Spektakel, an dem die Konkurrenz in den nachfolgenden Matches zu knabbern haben sollte. (16:40) ***1/2


Tag Team Championship – Jimmy & Jey Uso bes. The Miz & Damien Mizdow durch DQ: Nach so viel Action durfte jetzt ein wenig auf Comedy gesetzt werden. Dafür war natürlich Damien Mizdow zuständig. The Miz wollte dagegen alles für eine erfolgreiche Titelverteidigung tun. Deshalb hatte er in der Kickoff-Show auch noch einmal Jimmy Usos Frau zu instrumentalisieren versucht: Naomi könne er die Tür nach Hollywood öffnen. „Wenn ich heute Abend die Stadt als Champion verlasse, dann kann ich dir den Hollywood-Vertrag garantieren.“ Naomi schien sich davon aber nicht beeindrucken lassen zu wollen. „Meine #1-Priorität ist sowieso die WWE“, stellte Naomi klar.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Geschichte um Naomi sollte im eigentlichen Match keine große Rolle spielen. Stattdessen durften alle Augen auf Mizdow gerichtet werden, während er die Aktionen und Bewegungen von The Miz am Ringrand nachhampelte. Miz blieb die meiste Zeit des Matches im Ring, wollte seinem Partner wohl nicht das große Spotlight geben. Dann wurde es für Miz jedoch spätestens brenzlich, als er in einen halben Boston Crab von Jimmy geriet. Letztlich wählte Miz dann den leichten Ausweg, schnappte sich seine Titelgürtel und wollte abhauen. Mizdow tat es ihm gleich, wurde außerhalb des Rings jedoch von einem heranfliegenden Jimmy Uso getroffen. Miz reagierte, indem er Jimmy einen Titelgürtel gegen den Kopf hämmerte und dafür disqualifiziert wurde. Die Usos siegten also, der echte und der falsche Miz blieben Champions. Ein mageres Match und ein Finish zum Vergessen. (7:18) *1/4

„Meinen heutigen Sieg werde ich Triple H und Stephanie McMahon widmen“, meinte Seth Rollins im Interview. Heute werde er John Cenas Titelträume beenden, indem er den Anführer der C-Nation durch einen Tisch befördern wolle. Er werde erst aufhören, bis Cena sich entschließe, die Authority zurückzubringen.

Stairs Match – Big Show bes. Erick Rowan: Eine neue Sonderregel im WWE-Universum! In diesem Aufeinandertreffen sollte der Einsatz von Ringtreppen legal sein. Deshalb warteten auch bereits einige Treppenteile im Eingangsbereich auf beide Akteure. Die erste Kollision mit der Ringtreppe machte Rowan bereits in den ersten zwei Minuten. Der Aufprall machte eine Menge Krach. Ganz im Gegensatz zum Publikum, die sich die meiste Zeit während dieses Matches ausschwiegen. Leichte Reaktionen erreichten höchstens einige Kollisionen mit den Ringtreppen, etwa als Rowan im Ring Big Show auf das Metall bodyslammte. Anschließend wollte Rowan mit einem weiteren Teil von den Seilen springen und Show so treffen. Show rollte sich zwar im letzten Moment aus dem Weg, bekam einen Teil der Stairs allerdings noch in die Hüfte gerammt.

Im Anschluss flogen beide durch eine Wand aus drei Stahltreppen, die Rowan zuvor im Eingangsbereich aufgebaut hatte. Anschließend ging es zurück in den Ring, wo Big Show letztlich einen Chokeslam gegen Rowan auf eine Treppe zeigen konnte. Show setzte mit der K.o.-Faust nach und legte zum anschließenden Pin einen Teil der Ringtreppe auf Rowan. Der klare Sieg ging damit an Big Show. Beide Männer hatten körperlich einiges in die Waagschale gelegt, doch der Einsatz wurde vom Publikum überhaupt nicht gewürdigt. (11:12) *


ROMAN REIGNS MELDET SICH ZURÜCK

Tables Match – John Cena bes. Seth Rollins: Für dieses Match nahm Paul Heyman direkt am Ring platz. Und das aus gutem Grund. Immerhin sollte in diesem Tables Match womöglich am Status des #1-Herausforderers auf WWE-Champion Brock Lesnar gerüttelt werden. Sollte Cena nämlich verlieren, würde die Position neu besetzt werden müssen. Und damit Seth Rollins seine Ankündigung, Cena aufhalten zu wollen, auch möglichst in die Tat umsetzen konnte, hatte er mit Jamie Noble und Joey Mercury tatkräftige Unterstützung an seiner Seite. J & J Security sorgten bereits frühzeitig dafür, dass ein Tisch auch schon mal aus dem Weg geräumt wurde, um Seth Rollins vor dem Bump durch die Holzplatte zu schützen.

Weil es laut Regelwerk keine Disqualifikationen geben konnte, griffen Mercury und Noble auch mal ganz locker vor den Augen des Ringrichters ein, gerade als Cena sein Atttitude Adjustment gegen Rollins durch den Tisch zeigen wollte. Cena hatte schließlich genug und prügelte deshalb auch munter auf J & J ein. Die Handlanger wurden im Eingangsbereich mit einem Absperrgitter von den Beinen geholt. Für einen ausgemachten Superman wie John Cena blieb es also mit anderen Worten kein Problem, gleich drei Konkurrenten durchaus in Schach zu halten.

Besser als J & J sollte für Seth Rollins der Einsatz des MITB-Koffers funktionieren, den er als Schlagwerkzeug effektiv einsetzte. Weil sich Rollins daraufhin aber zu viel Zeit ließ, kam Cena zurück und lud Rollins zum Attitude Adjustment auf. Rollins’ Fuß traf dabei den Ringrichter am Kopf. Dieser stürzte nach draußen und bekam nicht mit, wie Cena schließlich Rollins mit einem Attitude Adjustment von den Seilen durch den Tisch beförderte. Sogleich kam die J & J Security in den Ring, um den Tatort aufzuräumen und Rollins aus den Tischresten zu ziehen. Da eben kein Ringrichter zur Stelle war, ging das Match weiter. Und das beeindruckend, konnte Cena nämlich nun auch noch Mercury und Noble gleichzeitig aufladen und mit einem Attitude Adjustment durch einen weiteren Tisch befördern.

Zwischen Cena und Rollins ging es ohne Pause weiter – bis beide Männer nun vom Ringrand gleichzeitig durch zwei Tische stürzten. Der Ringrichter bekam das mit und ließ die Ringglocke läuten. Weitere Offizielle kamen dazu, und die Ringrichter diskutieren darüber, wer dieses Match nun gewonnen habe. Schließlich entschied man sich dazu, den Kampf einfach fortzusetzen. Chaos sollte des nun nicht weniger geben. Erst flog Seth Rollins über das Kommentatorenpult von Michael Cole & Co. Der Tisch ging jedoch nicht zu Bruch. Kurz darauf kam auch noch Big Show in die Halle und attackierte den Chain Gang Commander.

Gerade als Big Show seinen Chokeslam zeigen wollte, ertönte allerdings die Musik von Roman Reigns! Der Slammy-Superstar des Jahres kam durchs Publikum und ging sogleich auf Big Show los. Big Show kassierte den Superman Punch und flog anschließend mit einem Spear durch einen in der Ringecke aufgestellten Tisch. Anschließend legte Reigns auch noch mit einem Superman Punch gegen Seth Rollins nach. John Cena nutzte die Situation, um Rollins zum Attitude Adjustment auf die Schultern zu nehmen und durch einen weiteren Tisch zu katapultieren. Dieses Mal bekam das der Ringrichter sogar mit und nahm das Ergebnis ab: John Cena hatte sein Tables Match gewonnen und damit sein Match gegen Brock Lesnar beim Royal Rumble Ende Januar bestätigt! (21:21) ***1/2

„Ja, wir hatten unsere Probleme. Aber Blut ist dicker als Wasser!“ So erklärten die Bella-Zwillinge im Interview, warum sie nach Wochen der Demütigungen doch wieder zusammengefunden haben.


Divas Championship – Nikki Bella bes. AJ Lee: Bei der Survivor Series war das Match zwischen diesen beiden Damen aufgrund von Brie Bellas Kusses für AJ binnen Sekunden entschieden worden. Hier brauchte es dagegen einige Minuten, was allerdings für keine großartigen Reaktionen beim apathisch wirkenden Publikum sorgte. Selbst die Anweisung des Ringrichters, Brie müsse zurück in die Umkleide, nachdem sie Nikkis Bein bei einem Pin-Versuch AJs aufs unterste Seil gelegt hatte, sorgte für keine großen Jubelstürme. Diese Ablenkung nutzte Nikki nun dafür, ein Spray aus ihrem Knieschoner zu ziehen und mit dem Einsatz dieser Sprühflasche AJ die Sicht zu rauben. Daraufhin platzierte sie noch ihren Unterarm im Gesicht AJs und machte dann die Titelverteidigung mit dem Rack Attack perfekt. (7:39) *

Roman Reigns kündigte in einem hölzernen Backstage-Interview seine Teilnahme am Royal Rumble an. „Ihr glaubt, letztes Jahr habe ich schon für Zerstörung gesorgt? Dann wartet mal diesen Rumble ab!“, versprach er.

Chairs Match – Ryback bes. Kane: Dieses Chairs Match war gewissermaßen die Wiederholung des Stairs Matches, nur das jetzt eben Stühle legal eingesetzt werden durften. Auch in diesem Match steckten beide Männer eine Menge Treffer weg, doch die Reaktionen des Publikums auf die Darbietung hielten sich in Grenzen. Dabei hämmerten beide Wrestler wirklich munter mit Stühlen aufeinander ein. Kane nutzte einen Stuhl sogar, um die Meathook Clothesline in der Schlussphase zu verhindern. Das ehemalige Big Red Monster packte daraufhin einen Chokeslam aus, doch Ryback befreite sich aus dem Cover. Daraufhin konnte der Big Guy doch noch seine Meathook platzieren und anschließend Kane zum Shellshock aufladen und zur Entscheidung pinnen. (9:48) *

United States Championship – Rusev bes. Jack Swagger: Im Jahresverlauf hatte Rusev bereits den All-American American aus dem Weg geräumt. Dann kamen sich die Herren jedoch erneut in die Quere, und in der Folge sorgte Rusev sogar für eine „Verletzung“ bei Zeb Colter. Jack Swagger konnte sich also nicht auf die Unterstützung seines patriotischen Freundes verlassen, aber dafür glich Lana mit ihrer Anwesenheit die Abwesenheit Colters optisch mehr als aus.

Jack Swagger durfte heute sogar wie ein potentieller Rusev-Bezwinger wirken. Zumindest anfangs, als er sich aus dem Accolade kämpfte und Rusev dann in den Ankle Lock nahm. Rusev entkam dem Griff jedoch und streckte Swagger dann mit einem Kick außerhalb des Rings nieder. Zurück im Ring setzte es den nächsten Kick und zum zweiten Mal den Accolade. Da der All-American American irgendwann nicht mehr reagierte, stoppte der Offizielle das Match und ernannte Rusev in dieser aufgewärmten Fehde erneut zum Sieger. (4:50) **


FLIEGENDE FUNKEN
BRINGEN DIE ENTSCHEIDUNG

TLC-Match – Bray Wyatt bes. Dean Ambrose: Dieses Match sollte es in der Main-Event-Position schwer haben. Zum einen hatten die Fans bis zu diesem Zeitpunkt schon eine Vielzahl an Aktionen mit Tischen, Leitern und Stühlen gesehen. Hinzu kam, dass beide Wrestler von der Wahrnehmung als tatsächliche Main-Event-Wrestler noch ein ganzes Stück entfernt sind. Dennoch wollte man ihnen verständlicherweise das Spotlight geben, zumal das TLC-Match als Abschluss des Abends natürlich auch wieder am Ende stehen sollte. Mit zunehmendem Matchverlauf war es dennoch so, dass die Zuschauer zumeist höchstens auf spektakulärere Bumps und Aktionen reagierten, weniger aber auf die beiden Akteure und deren Rivalität.

Auch in diesem Match steckten beide Wrestler eine Menge weg: Ambrose flog schon frühzeitig von den Seilen auf einen draußen stehenden Tisch. Kurz darauf steckte er – auf einer Leiter liegend – eine Splash seines Gegners ein. Der massivste Treffer kam jedoch, als Ambrose aus den Seilen gelaufen kam und mit einer knallharten Clothesline auf die Matte geschickt wurde. Dieses Geschenk gab Ambrose kurz darauf außerhalb des Rings übrigens an seinen Gegner zurück. Im Eingangsbereich kletterte Ambrose daraufhin auf eine Leiter und stürzte sich mit einem Elbow Drop auf den auf einem Tisch liegenden Wyatt. Noch besser: Die Aktion wiederholte Ambrose im Anschluss, dieses Mal aber von einer noch höheren Leiter.

Im Anschluss ging es zurück zwischen die Seile, wo Wyatt Ambrose nun mit Sister Abigail aus dem Nichts überraschte. Einen zweiten Versuch zu Sister Abigail konterte Ambrose in einen Einroller. Anschließend katapultierte er Wyatt in eine in der Ringecke liegende Leiter und zog dann die Dirty Deeds zum 2-Count durch. Damit nicht genug, schaute Dean nämlich noch einmal unter dem Ring nach und fand dort einen funktionstüchtigen Fernseher, auf dem die Veranstaltung lief. Den Fernseher samt Verkabelung legte er in den Ring, holte dann aber noch eine hohe Leiter aus dem Eingangsbereich an den Ring. Nach einem Hin und Her landete Wyatt auf dem spanischen Kommentatorentisch. Ambrose sprang anschließend von der hohen Leiter mit seinem dritten Elbow Smash des Abends auf Wyatt. Die spektakulärste Aktion des Matches!

Jetzt wollte Ambrose im Ring den Sieg klarmachen, Wyatt aber noch vorher mit dem Fernseher von den Beinen holen. Ambrose nahm mit dem TV-Gerät Anlauf, wurde aber von der Verkabelung gestoppt. Beim zweiten Anlauf zog Ambrose im Lauf die Kabel aus dem Gerät, und es gab eine große Explosion mit jeder Menge Funken. Ambrose wurde von diesen Funken geblendet und ging zu Boden. Wyatt kam jetzt zurück und platzierte Sister Abigail zur Pinfall-Entscheidung. Ambrose hatte damit sein nächstes PPV-Match unter einigermaßen unklaren Umständen verloren und Wyatt blieb somit in einer guten Position. Ein actionreicher Main Event, dem jedoch ein gewisses i-Tüpfelchen fehlte. (26:03) ***1/2

CHRISTIAN BRUNS

Die neue Power-Wrestling

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