Survivor Series 2004
Sonntag, 14 November 2004 / Gund Arena in Cleveland, Ohio / 7.500 Zuschauer

Am Sonntag, dem 14. November 2004, fand in der Gund Arena von Cleveland, Ohio, die 18. Auflage der Survivor Series statt. Neben einigen anderen Matches wurden dem Publikum traditionsgemäß zwei klassische Tag-Team-Elimination-Matches geboten. Außerdem stieg der Undertaker, der sonst bei SmackDown! eher selten in Erscheinung tritt, ausnahmsweise wieder aktiv in den Ring. Was aus der Großveranstaltung, deren Card im Vorfeld nicht besonders vielversprechend klang, gemacht wurde, zeigt die nachfolgende Analyse.

Match by Match Review

01.WWE Cruiserweight Championship: Spike Dudley (c) vs. Billy Kidman vs. Chavo Guerrero vs. Rey Mysterio
Actionreicher Opener, der bei so vielen Teilnehmern noch etwas mehr Zeit verdient hätte. Spektakulär sah vor allem der Electric Chair Superplex von Kidman gegen Chavo und dem armen Spike, der ganz oben sitzen musste, aus. Des weiteren wusste Rey Mysterio mit seinen unzähligen High-Flying-Aktionen zu glänzen. Zum Schluss gelang Spike Dudley die erfolgreiche Titelverteidigung, nachdem er Chavo Guerrero, der zuvor von Kidman mit einem Legdrop ausgeschaltet wurde, pinnen konnte. Der kleine Boss darf als Champion nun weiter die Cruiserweight Division von SmackDown! regieren (09:00) ***

02. WWE Intercontinental Championship: Shelton Benjamin (c) vs. Christian (w/ Tyson Tomko)
Schöner Fight mit etlichen Near Falls. Benjamin legt ein enormes Selbstbewusstsein an den Tag, und versucht immer wieder neue Aktionen in seine Vorstellungen einzubauen. Nach zwei Takedowns von Christian ist er am Anfang sofort rotzfrech zurück in den Stand gesprungen. Könnte Benjamin am Mikrofon eine Verbindung zum Publikum aufbauen, hätte es allein für diesen Spot schon lautstarke Reaktionen gegeben. Dasselbe gilt für die Springboard Clothesline, die Benjamin im späteren Matchverlauf mal eben aus dem Ärmel geschüttelt hat. Mit diesen Aktionen, die bereits natürlich schon von einigen anderen Wrestlern gezeigt wurden, erfindet er das Wrestling nicht neu, aber im aktuellen WWE-TV wirken sie zumindest erfrischend, da sie dort zurzeit kein anderer in dieser Form zeigt. Am Ende behielt Benjamin die Oberhand, als er Christian mit dem T-Bone Suplex überraschte. Titelverteidigung gelungen. (13:20) *** ½

03. Kurt Angle & Luther Reigns & Mark Jindrak & Carlito Caribbean Cool vs. Eddie Guerrero & The Big Show & Rob Van Dam & John Cena
Traditionelles Survivor Series Tag Team Elimination Match. Gefallen hat mir vorher die Backstageszene mit Kurt Angle, Edge und Eugene. Das war so ziemlich die beste Szene, die Kurt Angle in den vergangenen Wochen hatte. Ansonsten blieb der Olympiasieger von 1996 in letzter Zeit, was die Promos anbelangt, weit hinter seinen Möglichkeiten.

Das Match selbst lässt sich schnell abhaken, da es so gut wie überhaupt nicht richtig stattfand. Dies lag natürlich auch an der Schulterverletzung von Carlito, der noch vor Ertönen der Ringglocke vor Cena flüchtete, und seitdem nicht mehr gesehen wurde. Somit war Kurt Angle praktisch der einzige richtige Wrestler in seinem Team. Mark Jindrak und Luther Reigns haben im Ring sowieso nichts zu melden, und wurden deshalb ganz flott hintereinander eliminiert. Ein paar Minuten später konnte Kurt Angle der Übermacht von drei Leuten (Guerrero, Cena, Big Show) ebenfalls nichts mehr entgegensetzen. Sieger: Team Guerrero nach FU von Cena, Frog Splash von Eddie und Cover von Big Show. (12:16) **

04. Heidenreich (w/ Paul Heyman) vs. The Undertaker
Für die beiden Riesen war der Kampf eindeutig zu lang. Ich weiß nicht was die Offiziellen in Heidenreich sehen, aber ich hoffe, dass sie ihm alsbald wieder eine Fahrkarte nach Kentucky geben. Dort befindet sich bekanntlich das Trainingszentrum von OVW, der Farmliga von World Wrestling Entertainment. Dies wird nach einem so langen Match wohl aber leider nicht passieren. Mir graut es jetzt schon vor der nächsten Storyline mit dem Mann. Vor allem sein Grunzen und Schnauben geht mir genauso wie bei Gene Snitsky unheimlich auf den Wecker. Das sind keine Wrestler, das sind Tiere. Schauspielerisch sowie wrestlerisch ist Heidenreich unterste Kanone. Das Match wurde vom Taker in gewohnter Manier mit dem Tombstone beendet. (15:45) * ¾


05. WWE Women’s Championship: Trish Stratus vs. Lita
Überraschend kurz…eindeutig zu kurz. Lita ging wie eine rasende Furie auf Trish los und setzte dabei regelwidrig einen Stuhl ein, was natürlich prompt ihre Disqualifikation zur Folge hatte. Sieger sowie weiterhin Women’s Champion: Trish Stratus. Diese Fehde ist noch lange nicht zu Ende. (01:12) Ohne Wertung

06. WWE Championship: John Bradshaw Layfield (w/ Orlando Jordan) vs. Booker T
Nicht so schlecht wie erwartet, was aber wieder einmal auch an Orlando Jordan lag, der das Match mit seinen unzähligen Angriffen gegen Booker T einigermaßen unterhaltsam gestaltete. Nett anzusehen war der Scissors Kick von Booker T außerhalb des Rings, bei dem Jordan spontan einen einwandfreien Vorwärtssalto aufs Parkett hinlegte. So gut hat noch niemand den Finisher vom fünffachen WCW Heavyweight Champion verkauft. Dazu darf der selbstlose Einsatz des kleinen Josh Mathews nicht vergessen werden, welcher im letzten Moment einen Pinversuch von JBL verhindern konnte, und dafür zur Strafe anschließend die Clothesline from Hell kassierte. Ansonsten wurde natürlich Brawling ohne Ende gezeigt. Verständlich, da JBL einfach nix anderes kann und Bookers Können im Ring ebenfalls limitiert bzw. oft vom Gegner abhängig ist. Die beiden haben jedenfalls das Beste aus ihren Möglichkeiten gemacht. Am Ende gelang JBL das Cover, nachdem er zuvor Booker T hinter dem Rücken des Ringrichters mit dem Titelgürtel niedergeschlagen hatte. (14:44) **3/4

07. Triple H & Batista & Edge & Gene Snitsky vs. Randy Orton & Chris Benoit & Maven & Chris Jericho
Das zweite traditionelle Survivor Series Tag Team Elimination Match an diesem Abend. Maven wurde vor dem Kampf im Backstagebereich von Gene Snitsky kurzzeitig ausgeschaltet, durfte sich dann aber – nachdem Benoit etwas überraschend als Erster seines Teams eliminiert wurde – an dem grunzenden Babykiller rächen. Hierbei ging der ehemalige Tough Enough-Gewinner allerdings etwas übereifrig zu Werke, und verpasste Snitsky mit einem Flying Forearm einen richtig üblen Cut an der linken Augenbraue, der absolut nicht geplant war. Kein guter Start für Maven im Main Event eines PPVs. Zum Glück war hier Snitsky das Opfer und nicht Triple H. Insofern kann Maven, der sich neuerdings einen Sixpack-Waschbrettbauch antrainiert hat, weiter auf die Fortsetzung seines Push hoffen.

Zum Schluss des Matches triumphierte erwartungsgemäß Randy Orton mit dem RKO über Triple H. Vorher musste der Legend Killer eine Zwei zu Eins Situation meistern, weil sich in den letzten Minuten noch Edge an der Seite von Triple H befand. Nun erhält RAW neue Impulse durch die GM-Storyline, bei der die Gewinner jeweils für eine Show den General Manager spielen dürfen. Das wird interessant. (24:28) *** ½

Abschließende Bewertung
Die Survivor Series 2004 erhält 7 von 10 Punkten. Aus der relativ schwachen Card haben alle Beteiligten insgesamt gesehen doch noch einen recht anständigen PPV gebastelt. Trotzdem kann man von einer Survivor Series mehr erwarten, zumal das eine der wenigen Veranstaltungen im Jahr ist, bei denen ausnahmsweise mal beide Kader des Wrestlingunternehmens mit dabei sind. Hier hätte WWE beispielsweise die Gelegenheit für ein klassisches Tag-Team-Elimination-Match zwischen einem RAW- und einem SmackDown!-Team gehabt. Die darin aufgebaute Spannung hätte meiner Meinung nach wenig später dem Royal Rumble im Januar noch etwas mehr Brisanz verliehen. Dort treffen die Stars beider Kader bekanntlich ebenfalls aufeinander. Der Rostersplit bietet viele Möglichkeiten, die bisher einfach nicht genutzt wurden.

Top Matches
1. Triple H & Batista & Edge & Gene Snitsky vs. Randy Orton & Chris Benoit & Chris Jericho & Maven
2. Shelton Benjamin vs. Christian
3. Spike Dudley vs. Billy Kidman vs. Chavo Guerrero vs. Rey Mysterio

MVP of the PPV
Shelton Benjamin

Die neue Power-Wrestling

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